Knappes Alt-Ernte-Angebot bei Walnüssen, ruhige Neu-Ernte: Markt stellt sich auf USDA‑Verzögerung ein
Kalifornische Walnussbestände sind nach starken Verladungen 2025/26 nahezu ausverkauft, während der Neu-Ernte-Handel vor einer verzögerten USDA-Ernteschätzung vorsichtig bleibt.
Preise
Walnusskerne chinesischer Herkunft auf FOB-Dalian-Basis werden derzeit um EUR 3,30/kg für helle Quarter, EUR 2,85/kg für helle Stücke 8–12 mm und EUR 2,30/kg für hellbernsteinfarbene Stücke 8–12 mm indiziert. Konventionelle chinesische Preise zeigen sich seit Ende Juli weitgehend stabil und konsolidieren nach kleineren Schwankungen Anfang August. Bio-Helhälften zeigen einen festeren Ton, mit US-Ursprung um EUR 4,55/kg FOB London und indischem Ursprung nahe EUR 5,35/kg FOB Neu-Delhi, beide leicht über den Niveaus von Mitte August. Die Kombination aus knapperen kalifornischen Alt-Ernte-Beständen und stabilen asiatischen Kernel-Angeboten spricht eher für eine leicht unterstützende kurzfristige Preis-tendenz als für erneuten Abwärtsdruck.
Angebot & Nachfrage
Die kalifornischen Verladungen von September 2025 bis Juli 2026 erreichten rund 1,485 Milliarden lbs (inshell-Äquivalent), ein kräftiger Anstieg um 25,6 % gegenüber 1,183 Milliarden lbs im Vorjahr. Die kumulierten Verladungen in Schale haben sich nahezu auf 304,8 Millionen lbs verdoppelt, während Kernel-Verladungen um 14,6 % auf 501,6 Millionen lbs gestiegen sind – ein Hinweis auf eine breit abgestützte Nachfrageerholung über alle Produktformen hinweg. Der Juli blieb in der Summe robust, mit einem Anstieg der Gesamtverladungen um 27,5 % gegenüber dem Vorjahr auf 85,7 Millionen lbs inshell-Äquivalent, trotz eines Rückgangs der direkten Schalenmengen um 43,8 %.
Die Saison begann mit 139,3 Millionen lbs Anfangsbestand und Ernteerfassungen von rund 1,619 Milliarden lbs, was ein Gesamtangebot von knapp 1,758 Milliarden lbs ergab. Bis Ende Juli entfielen 97,5 % dieser Verfügbarkeit auf verladenes und bereits vertraglich gebundenes Volumen, sodass nur sehr begrenzte unverkaufte Mengen vor Beginn des neuen Vermarktungsjahres übrig bleiben. Der Anteil der Nüsse in Schale an den gesamten Saisonverladungen ist deutlich gestiegen, während der Kernel-Anteil nun 79,5 % der Verladungen ausmacht gegenüber 87,1 % im Vorjahr – ein Zeichen besonders starken Wachstums bei den kumulierten Schalenexporten und einer gesünderen globalen Produktbalance.
Fundamentaldaten
Der rasche Abbau der kalifornischen Bestände ist der zentrale strukturelle Unterschied zu früheren Saisons, die von hohen Überhängen geprägt waren. Offene Verpflichtungen von rund 229,6 Millionen lbs Ende Juli signalisieren eine anhaltende Nachfrage in der Übergangsphase und begrenzen das Volumen, das noch für Spot-Geschäfte zur Verfügung steht. Konventionelle Ware dominiert mit 98 % der Erfassungen, während Bio mit 2 % ein kleines, aber preissensitives Segment bleibt, in dem sich in jüngsten europäischen und indischen Angeboten bereits eine moderate Preisfestigung abzeichnet.
Die Frachtstruktur im Juli unterstreicht zudem die starke Abhängigkeit des Marktes von Kernen, die 96,8 % der Monatsbewegung ausmachten gegenüber 92,8 % im Vorjahr. Diese kernelzentrierte Nachfrage stützt die Preise für bessere Farb- und Größenklassen, während die über die Saison starke Nachfrage nach Nüssen in Schale dazu beigetragen hat, Größen- und Qualitätsdifferenzen neu auszubalancieren. Da der Großteil der Alt-Ernte faktisch vermarktet ist, ist die Branche nun besser gegen rabattgetriebene Liquidation geschützt und kann in die Verhandlungen für 2026/27 aus einer geordneteren Ausgangsposition gehen.
Neu-Ernte-Ausblick
Die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf die Ernte 2026/27, doch der Handel mit Neu-Ernte-Positionen bleibt begrenzt, da Marktteilnehmer auf klarere Produktionssignale warten. Die Verschiebung der USDA-Schätzung zur Walnussproduktion auf den 1. Oktober lässt mehr Zeit für die Bewertung der späten Entwicklungsphase, verlängert aber zugleich die Unsicherheit bezüglich potenzieller Erträge und Größenverteilung. In diesem Umfeld beginnen Käufer mit kurzfristigem Deckungsbedarf, ihre Absicherung selektiv zu verlängern, während größere, längerfristige Verpflichtungen selten bleiben.
Die Witterung in den letzten Phasen der Nussfüllung und kurz vor der Ernte wird genau beobachtet, da selbst moderate Abweichungen vom Normalverlauf den Kernel-Ertrag und die Qualität in einem engeren fundamentalen Umfeld spürbar beeinflussen könnten. Da das Risiko hoher Endbestände deutlich reduziert ist, würden negative Überraschungen in der offiziellen Ernteschätzung oder ungünstige Erntebedingungen voraussichtlich rasch in festeren Preisvorstellungen resultieren – insbesondere für stark nachgefragte Kernel-Qualitäten und Bio-Ware.
Handelsausblick
- Käufer mit Bedarf im 4. Quartal 2026 sollten angesichts sehr knapper Alt-Ernte-Bestände und eines deutlich ausgewogeneren Ausgangsniveaus für 2026/27 eine zumindest teilweise Absicherung in Betracht ziehen.
- Erzeuger und Händler können es sich leisten, aggressiven Rabatten auf verbleibende Spotmengen zu widerstehen und den Fokus stattdessen auf eine zeitliche Steuerung der Verkäufe rund um die USDA-Schätzung am 1. Oktober und erste Ernte-Rückmeldungen zu legen.
- Kernel-Käufern mit hoher Sensibilität für Farbe und Größe ist zu empfehlen, Optionen für Neu-Ernte-Lieferungen vorzuverhandeln, da qualitätsbezogene Aufschläge zunehmen könnten, falls sich die Erntebedingungen als uneinheitlich erweisen.
Kurzfristige Preisrichtung (3 Tage)
In den kommenden drei Tagen dürften sich FOB-Kernel-Indikationen in China in EUR gerechnet weitgehend stabil entwickeln, mit nur geringfügigen Tagesanpassungen durch Währungs- und Frachteffekte. Europäische und indische Angebote für Bio-Kerne werden voraussichtlich eine leicht festere Tendenz beibehalten, was die knappe Verfügbarkeit und eine verbesserte Nachfrage widerspiegelt. Insgesamt dürfte der globale Walnussmarkt in einer engen, aber nach unten gut unterstützten Spanne handeln, während die Marktteilnehmer auf klarere Signale zur US-Ernte 2026/27 warten.