Rosinenpreise geben leicht nach, während Hitze in China und der Türkei droht
Kompaktes Rosinenmarkt-Update: chinesische FCA-Preise geben nach, türkische Premiums ziehen an, Fracht nach Europa steigt, und heißes Wetter in Turpan und Malatya bestimmt das Risiko.
Preise & Spreads
Alle Preise umgerechnet und ausgedrückt pro kg in EUR, unter Verwendung eines ungefähren Kurses von 1,00 EUR = 1,08 USD, wo erforderlich.
Europäische Großhandelsnotierungen für Sultana‑Rosinen in wichtigen Knotenpunkten wie Rungis liegen für verbraucherfertig verpackte Ware bei rund 3,80–4,00 EUR/kg, was bei den aktuellen Bulk‑Ursprungspreisen auf komfortablen Spielraum für die Margen der Abpacker schließen lässt.
Angebots-, Nachfrage- & Logistiktreiber
Türkei (TR): Exportdaten für Trockenfrüchte und Nüsse zeigen bislang in diesem Jahr stabile Mengen in die EU, wobei Trockenrebfrüchte eine Schlüsselkomponente im Exportkorb „fruit dried, n.e.s." darstellen. Marktkontakte berichten von ausreichenden Sultana‑Altbeständen in Malatya und der Ägäis, was Standardqualitäten weitgehend stabil hält, während einige Abpacker versuchen, die Angebote für höherwertiges Typ‑9‑Material anzuheben, was sich im jüngsten Anstieg der Malatya‑FOB‑Notierungen für Premium Grade A widerspiegelt.
China (CN): Xinjiang, einschließlich Turpan, hat den Hauptschnitt der frischen Reben und die frühen Vegetationsstadien inzwischen hinter sich. Nationale Berichte über Getreide und Obst von Mitte Juni heben überwiegend günstige Ernteaussichten in Nordwestchina hervor, wobei sich die staatlichen Dienste darauf konzentrieren, in den wichtigsten Anbauregionen eine gute Sommerernte zu sichern. Für Rosinen bedeutet dies, dass es derzeit keinen unmittelbaren Angebotsschock gibt, Käufer aber Hitzeepisoden und mögliche Wasserknappheit in den kommenden Wochen aufmerksam beobachten.
Logistik & Fracht: Containerfrachtindizes zeigen Anfang bis Mitte Juni eine erneute Rallye auf den Asien–Europa‑Routen, mit Spotraten, die im Monatsvergleich um mehr als 20–25 % gestiegen sind, angetrieben durch Umleitungen um das Rote Meer und eine ungewöhnlich früh einsetzende Hochsaison. Spediteure berichten von derzeit etwa 1.300–1.800 USD für 20‑Fuß‑Container China–Türkei, über dem Niveau zu Jahresbeginn, was beginnt, die CIF‑Preisvorstellungen in Mittelmeerhäfen und nordeuropäischen Häfen unter Druck zu setzen.
Wetterbeobachtung: CN & TR Rosinengürtel
Türkei – Region Malatya (TR): Die nächsten drei Tage (18.–20. Juni) werden überwiegend sonnig und warm mit Höchstwerten um 31–33 °C und Tiefstwerten von 15–18 °C sowie ohne nennenswerte Niederschläge erwartet. Für die sich entwickelnde Traubenernte 2026 sind diese Bedingungen weitgehend günstig, da sie Blüte und Beerenansatz unterstützen, ohne unmittelbaren Hitzestress oder Krankheitsdruck.
China – Turpan (CN): Turpan tritt in eine ausgeprägte Hitzephase ein, mit prognostizierten Höchstwerten zwischen 39–42 °C und warmen Nächten über 28–30 °C bis zum 20. Juni. Solche Hitze ist für das Becken typisch, kann jedoch den Wasserbedarf der Reben beschleunigen und bei anhaltendem Fortbestehen bis in die Trocknungsperiode zu kleineren Beeren und schnellerer Dehydration führen. Entscheidend ist derzeit die Verfügbarkeit von Bewässerungswasser; jedes Anzeichen von Einschränkungen im weiteren Verlauf des Sommers könnte sich rasch zu einem bullischen Faktor für die chinesischen Rosinenpreise entwickeln.
Markteinschätzung & kurzfristiger Ausblick
Fundamental ist der Markt bei Altware ausgeglichen bis leicht überversorgt, ohne dass bislang größere Wetterschäden weder in der Türkei noch in China gemeldet wurden. Gleichzeitig steigen die Frachtkosten von Asien nach Europa und ins Mittelmeer stark an, und die großen Reedereien haben für Mitte Juni und Anfang Juli weitere Erhöhungen auf den Asien–Europa‑Verbindungen angekündigt, die die gelieferten Kosten für Rosinen weiter nach oben treiben könnten. Diese Kombination begrenzt tendenziell das Abwärtspotenzial auf Ursprungsseite, kann aber die Arbitrage zwischen CN‑ und TR‑Ware in Richtung EU‑Abpacker einengen.
Die Preisentwicklung der vergangenen Woche spiegelt dies wider: Standard‑FOB‑Qualitäten aus der Türkei sind unverändert bis leicht niedriger, während Premium‑TR‑Grade‑A und Bio‑Sultanas von einigen Verkäufern höher bewertet werden; chinesische Hamburg‑FCA‑Preise haben von ihren jüngsten Hochs nachgegeben, vermutlich als Reaktion auf Kaufzurückhaltung und Konkurrenz aus der Türkei. Da es weder in Europa noch in China einen unmittelbaren Nachfrageschock gibt und die Hitzerisiken bislang nur lokal begrenzt sind, dürften die nächsten entscheidenden Treiber das Juli–August‑Wetter in Turpan und Westanatolien sowie der weitere Verlauf der Seefrachtzuschläge sein.
Handelsempfehlungen
- EU‑Abpacker / Importeure: Nutzen Sie die derzeitige Schwäche bei chinesischen FCA‑ und standardmäßigen türkischen FOB‑Qualitäten, um Q3‑Bedarf mit einem Horizont von 30–60 Tagen abzusichern, vermeiden Sie aber eine Überdeckung bis ins Q4, bis mehr Klarheit zu Frachtsurcharges und Wetterverlauf im Juli besteht.
- Käufer von türkischem Premium Grade A & Bio: Die jüngsten Preisanhebungen in Malatya deuten auf eine Verknappung hin; erwägen Sie, jetzt schrittweise zusätzliche kleinere Volumina zu sichern, um sich gegen weiteres Anziehen abzusichern, insbesondere wenn heißes, trockenes Wetter während der Beerenentwicklung anhält.
- CN‑ vs. TR‑Arbitrage: Da die Frachtraten aus China steigen und CN‑FCA‑Preise bereits von früheren Höchstständen zurückgekommen sind, sind die Spreads gegenüber TR weniger attraktiv; fokussieren Sie stärker auf Qualitätsunterschiede und Logistikzuverlässigkeit als ausschließlich auf den Stückpreis in EUR/kg.
- Erzeuger / Exporteure: Angesichts volatiler Seefrachtraten sollten Angebote nur kurze Gültigkeit haben; erwägen Sie, separate Frachtsurcharges auszuweisen, damit die zugrunde liegenden Rosinenpreisniveaus für Käufer transparent bleiben.
3‑Tage‑Prognose zur Preisrichtung (CN & TR)
- Türkei – Malatya FOB/CIF (TR): Bei stabilem Wetter und ausreichenden Beständen dürften Standardqualitäten (Typ 8 und 9 RTU) in den nächsten drei Tagen weitgehend seitwärts tendieren, mit nur leichtem Aufwärtspotenzial für Premium‑Typ‑9‑ und Biopartien, da Abpacker höhere Angebote testen.
- China – Xinjiang/Turpan in die EU (CN, Hamburg FCA): Nach der jüngsten Korrektur werden chinesische Sultanas in EUR gerechnet voraussichtlich stabil bis leicht fester gehandelt, hauptsächlich aufgrund höherer Frachtsurcharges und weniger wegen einer Angebotsverknappung am Ursprung, während Käufer den Verlauf der aktuellen Hitzewelle beobachten.