Türkische Haselnüsse ziehen an, während Wetter- und Politikrisiken bei der neuen Ernte drohen
Die Preise für türkische Haselnusskerne in EUR stabilisieren sich auf leicht festerem Niveau, gestützt durch knapper werdende Bestände, hohe Verarbeitungskosten und stabile Süßwarennachfrage.
Preise
Mit Stand 22. Juni 2026 zeigen die maßgeblichen türkischen Haselnusskern-Preise (FOB, Istanbul/İzmir, in EUR umgerechnet) eine leichte Festigung gegenüber Mitte Juni, insbesondere bei naturbelassenen Kernen 11–13 mm und 13–15 mm. Die Preise für geröstete Würfel sind unverändert, während geröstetes Mehl leicht angezogen hat und damit den Abstand zu Naturkernen verringert.
Das Bio-Segment wird mit einem Aufschlag von grob 2,3–2,6x gegenüber konventioneller Ware gehandelt, was das begrenzte zertifizierte Angebot sowie höhere Compliance- und Verarbeitungskosten widerspiegelt, auf die die türkische Industrie in jüngsten Unternehmensberichten hingewiesen hat. Georgische Kerne ex Polen notieren weiterhin mit einem sichtbaren Aufschlag gegenüber Herkunft Türkei, ihre Preise wurden jedoch zuletzt vor mehr als einer Woche aktualisiert und sind für den sehr kurzfristigen Zeitraum weniger aussagekräftig.
Angebot & Nachfrage
Die Türkei bleibt mit Abstand der dominierende globale Haselnusslieferant und steht für rund die Hälfte der Weltproduktion und -exporte. Die jüngsten internationalen Branchendaten für 2025/26 deuten auf eine kleinere türkische Ernte (~518.000 Tonnen in Schale) gegenüber der Vorsaison hin, wobei sich auch das globale Angebot moderat verengt. Dies stützt die aktuellen Exportofferten trotz selektiver Nachfragezurückhaltung.
Die europäische Süßwarennachfrage, der wichtigste Absatzkanal für türkische Kerne, zeigt ein gemischtes Bild. Handelsdaten zeigen, dass die EU‑Importe von Kakao- und Schokoladenerzeugnissen aus der Türkei bis Mitte 2026 weiter zunahmen, was darauf hindeutet, dass Hersteller weiterhin intensiv bei türkischen Verarbeitern einkaufen, selbst wenn die Volatilität am Kakaomarkt die Schokoladenmargen belastet. Gleichzeitig weisen Branchenkommentare darauf hin, dass die türkischen Verarbeitungskosten seit Anfang 2026 um rund 27 % gestiegen sind, während die inländische Inflation hoch bleibt. Dies begrenzt den Spielraum für niedrigere Exportpreise, selbst wenn die Spotnachfrage nachlässt.
Auf der Verbraucherseite gibt es anekdotische Hinweise auf eine angespannte Haselnussversorgung im nordamerikanischen Einzelhandel, wobei Engpässe mit früheren Wetterproblemen in der Türkei und einer festen globalen Nachfrage in Verbindung gebracht werden. Auch wenn diese Berichte vereinzelt sind, deuten sie darauf hin, dass die Pipeline-Bestände außerhalb Europas nicht übermäßig hoch sind und den aktuell ausgeglichen bis knappen Grundton am Kernemarkt untermauern.
Wetter- & Politikrahmen (TR)
Aktuelle länderübergreifende Wetterberichte beschreiben den Nordwesten der Türkei und Teile des Schwarzmeerraums im Juni als wärmer als üblich, jedoch ohne extreme Hitze oder anhaltende Dürre. Für Haselnüsse, die sich Ende Juni im Stadium der Nussfüllung/frühen Reife befinden, ist dieses Muster grundsätzlich neutral bis leicht unterstützend, vorausgesetzt, es kommt weiterhin zu gelegentlichen Niederschlägen.
Längerfristige Klimaforschung für die türkische Schwarzmeerküste warnt, dass steigende Temperaturen und sich verändernde Niederschlagsmuster in den Sommermonaten die witterungsbedingte Ertragsvolatilität im Zeitverlauf erhöhen könnten, wobei einige Teilregionen einem höheren Dürrerisiko und andere stärkeren Niederschlägen ausgesetzt sein dürften. Im unmittelbaren Horizont von 3–4 Wochen gibt es jedoch keine neuen Hinweise auf einen größeren Wetterschock für die Ernte 2026, sodass die aktuelle Preisfestigkeit eher auf strukturellen Kosten und Beständen als auf akuten Ertragsausfällen beruht.
Auf der politischen Seite hat das türkische Landwirtschaftsministerium kürzlich signalisiert, dass die Agrarstützungsprogramme 2026 neu berechnet werden, um höhere Treibstoff- und Düngerkosten zu berücksichtigen. Auch wenn diese Aussage nicht haselnussspezifisch war, verstärkt sie die Erwartung, dass das türkische Getreideamt (TMO) auch im Nussbereich relativ protektive Interventionsniveaus beibehalten wird, die die Erzeugermargen sichern und indirekt die Exportpreise für Kerne stützen.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Bestände und Erntevolumen: Branchendaten zeigen, dass die türkischen Endbestände 2025/26 bei rund 150.000 Tonnen in Schalenäquivalent liegen und damit deutlich unter dem wesentlich komfortableren Polster der Vorsaison. Dies begrenzt die Fähigkeit des Marktes, mögliche negative Überraschungen bei der Ernte 2026/27 zu absorbieren.
- Kosten und Margen: Türkische Verarbeiter berichten seit Anfang 2026 von einem Anstieg der Verarbeitungskosten von mindestens 27 % im Jahresvergleich, getrieben von Energie, Arbeit und Finanzierung. In Kombination mit weiterhin hoher nationaler Inflation hebt dies die Untergrenze für Exportpreise an.
- Nachgelagerte Nachfrage: Trotz gewissem Druck auf den Schokoladenkonsum in Europa wächst der breitere Süßwarensektor weiter, und große Marken investieren in Kapazitäten, einschließlich einer großskaligen Nutella-Produktion in den USA. Dies unterstützt eine stetige strukturelle Nachfrage nach Haselnusszutaten.
- Wettbewerb & Diversifizierung: Das globale Wachstum der Haselnussproduktion in Ländern wie Chile, den USA und China beschleunigt sich, allerdings von einer deutlich kleineren Basis aus. Bislang ergänzen alternative Herkünfte türkische Kerne eher, als dass sie diese verdrängen – insbesondere in Premium- und Spezialmischungen.
Handelsausblick
In den nächsten 1–2 Wochen dürfte sich der türkische Haselnussmarkt in einer leicht bullischen bis seitwärts gerichteten Spanne bewegen. Das Wetter am Schwarzen Meer ist saisonal warm, aber noch nicht bedrohlich, während hohe Verarbeitungskosten, knappere Bestände und weiterhin solide Süßwarennachfrage das Abwärtspotenzial begrenzen.
- Industriekäufer (Röster, Schokolade, Aufstriche): Erwägen Sie, den Bedarf für Q3–Q4 2026 bei Preisrücksetzern nahe dem aktuellen Niveau für Naturkerne 11–13 mm und 13–15 mm zu decken, da das Risikoprofil eher für eine graduelle Festigung zum neuen Erntevermarktungsjahr hin spricht.
- Händler/Exporteure: Halten Sie eine moderat lange Position in qualitativ hochwertigen türkischen Kernen, vermeiden Sie jedoch Überengagement, bis klarere Signale zu Ertrag 2026 und TMO-Interventionsniveaus vorliegen. Nutzen Sie kurzzeitige Nachfrageschwächen in Europa, um Forward-Kontrakte zu sichern.
- Nutzer des Bio-Segments: Bio-Aufschläge von über 100 % erscheinen aufgrund begrenzter zertifizierter Flächen und Compliance-Kosten strukturell gestützt; erwägen Sie längerfristige Kontrakte, um künftige Verfügbarkeits- und Preisrisiken abzusichern.
3‑Tage-Kurzfristige Preisindikation (EUR, Tendenz)
- Istanbul FOB Naturkerne 11–13mm & 13–15mm: Tendenz: stabil bis leicht fester, wobei Exporteure kleinere Aufschläge testen, falls sich FX oder inländische Kosten nach oben bewegen.
- Istanbul/İzmir FOB geröstete Produkte (Mehl, Würfel): Tendenz: weitgehend stabil, da die Röstmargen bereits unter Druck stehen und die Nachfrage in Bäckerei- und Pastenanwendungen preissensitiv ist.
- İzmir FOB Bio-Kerne: Tendenz: fest auf erhöhten Aufschlägen; begrenzte Spotangebote, wobei zusätzliche Nachfrage voraussichtlich über den aktuellen Offerten eingepreist würde.