Getrocknete Feigen ziehen an, da Altware ausläuft und die neue Saison mit starker Qualität startet
Altjahrgangs-Feigen sind nahezu ausverkauft, Exporte verlagern sich in den Nahen Osten, und starke Bestäubung stützt die hohe Qualität der neuen Ernte sowie ein festes Preisniveau.
Preise & Marktstruktur
End-of-Season-Knappheit prägt den Markt für getrocknete Feigen. Altjahrgangsware in Exportqualität, die europäischen Spezifikationen entspricht, ist nahezu nicht mehr verfügbar; die verbleibenden Kühlhausbestände wurden bereits vom Markt aufgenommen. Exporte konzentrieren sich nun auf Ziele im Nahen Osten, wo die Qualitätsanforderungen etwas flexibler sind und Käufer weiterhin aktiv auftreten.
FOB-Angebote aus Malatya für türkische getrocknete Feigen sind in den letzten Wochen insgesamt weitgehend stabil. Richtwerte für natürliche Feigen liegen grob bei etwa 7,2–9,1 EUR/kg für No: 7–1, während Lerida-Typen je nach Größe und Aufmachung etwa bei 5,7–9,3 EUR/kg für No: 7–1 gehandelt werden. Die Preiskurve ist deutlich nach Größe und Qualität invertiert: Größere, optisch ansprechendere Früchte erzielen einen sich ausweitenden Aufschlag, und für die besten, hochwertig bestäubten Feigen werden praktikable Angebote häufig durch individuelle, verhandelte Einzelgeschäfte ersetzt.
Angebot, Nachfrage & Handelsströme
Auf der Angebotsseite ist der Markt faktisch am Ende der Altjahrgangsverfügbarkeit angekommen. Bestände, die strenge europäische Qualitätsanforderungen erfüllen, werden als „kaum vorhanden“ beschrieben, was den nahezu zum Erliegen gekommenen Export nach Europa erklärt. Was im Ursprung verblieben ist, besteht größtenteils aus sekundärer Ware oder Partien, die eher für regionale Käufer im Nahen Osten geeignet sind – diese stellen in dieser späten Saisonphase nun den dominierenden Exportabsatzkanal dar.
Die türkische Inlandsnachfrage verstärkt sich saisonal mit dem Näherrücken der Aschura-Periode und stützt den heimischen Verbrauch von getrockneten Feigen. Dieser saisonale Nachfrageanstieg trifft auf bereits niedrige Lagerbestände und verschärft den Wettbewerb um die letzten verfügbaren Partien. Die Landwirte zeigen sich auffallend zurückhaltend, die wenigen noch gehaltenen Mengen zu verkaufen, und warten lieber ab, bis sich die Preisvorstellungen für die neue Saison klarer und potenziell höher abzeichnen. Dies begrenzt die Spot-Verfügbarkeit zusätzlich und erschwert die Preisfindung.
Fundamentaldaten & Ausblick neue Ernte
In den Obstgärten liegt der Fokus nun klar auf der Ernte 2026/27. Die Bestäubung läuft auf Hochtouren und dürfte bis Ende Juni andauern. Erzeuger räumen dieser Phase höchste Priorität ein, um Größe, innere Struktur und Zuckergehalt zu verbessern – alles entscheidende Faktoren für die Produktion von Premium-Feigen, die Zugang zu hochwertigen Exportmärkten erhalten und Spitzenpreise erzielen können.
Erste Hinweise deuten auf eine starke Nachfrage nach hochwertigen, gut bestäubten Feigen hin, was sich in den aktuell als „sehr hoch“ beschriebenen Preisen widerspiegelt, die in frühen Abschlüssen für diese Qualitäten erzielt werden. Unterdessen zeigen die wöchentlichen Exportstatistiken über die Saison eine solide, wenn auch leicht reduzierte Exportkampagne im Vergleich zum Vorjahr, bei gleichzeitig höheren durchschnittlichen Exportstückerlösen im Jahresvergleich. Dies steht im Einklang mit dem beobachteten Muster einer knapperen Verfügbarkeit von höherwertiger Ware und einer robusten Kaufneigung für bessere Qualitäten.
Wetter & Bestäubungsbedingungen
Das Wetter in den wichtigsten türkischen Feigenanbaugebieten (Provinzen Aydın und İzmir) ist Mitte Juni im Allgemeinen förderlich für die Bestäubung. Tageshöchsttemperaturen im unteren bis mittleren 30-Grad-Bereich °C bei überwiegend trockenen Bedingungen prägen die Prognose für die kommenden Tage und schaffen ein günstiges Umfeld für den Feigen-Wespen-Bestäubungsprozess und den frühen Fruchtansatz. Vereinzelte, kurze Schauer dürften die Arbeiten in den Plantagen nicht wesentlich beeinträchtigen.
Diese warmen, überwiegend stabilen Bedingungen ermöglichen es den Landwirten, die bis Ende Juni geplante intensive Bestäubungsarbeit fortzusetzen. Sofern es zu keinen späten, negativen Wettereinflüssen kommt, sollte dies sowohl das Ertragspotenzial als auch die innere Fruchtqualität der neuen Ernte an getrockneten Feigen stützen und damit die Erwartungen an ein hochwertiges Angebotsprofil untermauern, das die derzeit feste Preisstruktur rechtfertigt.
Handelsausblick & Strategie
- Für Käufer: Altjahrgangs-Feigen nach europäischem Standard sind faktisch nicht mehr verfügbar; Anwender mit strengen Qualitätsanforderungen sollten mit höheren Ersatzkosten für die neue Ernte planen. Wo möglich, empfiehlt sich eine frühzeitige Vorwärtsdeckung für Premiumqualitäten zu Beginn der neuen Saison, da starke Bestäubung und zurückhaltende Verkäuferseite bei den Landwirten nur begrenztes Abwärtspotenzial bei Top-Qualitäten nahelegen.
- Für Verkäufer/Landwirte: Die Zurückhaltung bei der Freigabe verbliebener Bestände ist angesichts der Kombination aus knapper Verfügbarkeit, aschurabedingter Inlandsnachfrage und erwarteten starken Preisen der neuen Saison nachvollziehbar. Ein disziplinierter Verkaufsrhythmus, insbesondere bei hochwertigen Partien, dürfte helfen, die aktuelle Preisstärke optimal auszuschöpfen.
- Für Händler: Das Chancen/Risiko-Profil spricht für eine moderat bullische Positionierung bei qualitätsdifferenzierten getrockneten Feigen. Die Spannen zwischen Exportqualität und off-grade Ware dürften sich im Übergang zur neuen Ernte weiter ausweiten, wovon sorgfältige Qualitätsselektion und belastbare Ursprungsbeziehungen profitieren.
Kurzfristige Preisrichtung (nächste 3 Tage)
- Türkei FOB (Ägäis/Malatya): Altjahrgangsangebote für Standardqualitäten überwiegend stabil bis leicht fester, bei sehr begrenzter Verfügbarkeit und meist nur nominalen Preisindikationen.
- Premium-Exportqualitäten: Aufwärtstendenz bleibt bestehen; Preise überwiegend auf verhandelter Einzelfallbasis, bedingt durch Knappheit und hohe Erwartungen an die Qualität der neuen Ernte.
- Zielländer im Nahen Osten: Stabile bis leicht festere CIF-Indikationen, da die regionale Nachfrage anhält und im Ursprung kein Verkaufsdruck auf verbleibende Altjahrgangsbestände erkennbar ist.