Haferfutures erholen sich von Mehrwochentiefs, während sich der EU-Kassamarkt seitwärts bewegt
Haferfutures an der CBoT erholen sich moderat von jüngsten Tiefs, während die EU-Futterhaferpreise seitwärts tendieren. Überblick über Preise, Fundamentaldaten, Wetter und kurzfristigen Ausblick.
Preise
Der CBoT‑Haferkontrakt Juli 2026 schloss am 30. Juni bei 264,25 US‑ct/bu, ein Plus von 1,73 % gegenüber dem Vortag, während der September 2026 bei 327,00 US‑ct/bu (+1,40 %) und der Dezember 2026 bei 336,25 US‑ct/bu (+0,82 %) schloss. Die Terminkurve bis 2027–28 liegt weiterhin leicht höher, mit März 2027 zuletzt bei 342,50 US‑ct/bu und Mai 2027 bei 348,50 US‑ct/bu, was auf einen moderaten Carry und nicht auf Knappheitspreise hindeutet.
Jüngste Referenzwerte bestätigen, dass Hafer im vergangenen Monat deutlich gefallen ist und vor der aktuellen Erholung fast Sechsjahrestiefs um 265–276 US‑ct/bu markierte. In der EU liegen die Referenzpreise für Futterhafer im Juni bei rund 177 EUR/t, mit nur geringen Veränderungen gegenüber der Vorwoche. Kassaanbieter für deutschen Futterhafer (EXW Drentwede) sind stabil bei etwa 0,179 EUR/kg (~179 EUR/t), unverändert seit Mitte Juni, während ukrainischer Futterhafer (FCA Odessa) mit rund 0,25 EUR/kg (~250 EUR/t) indiziert wird.
*Ungefähre Umrechnung auf Basis aktueller FX‑Kurse und Kontraktspezifikationen.
Angebot & Nachfrage
Die globalen Haferbilanzen bleiben komfortabel. Jüngste Daten zeigen, dass die Haferpreise Ende Juni gegenüber dem Vormonat um rund 23 % und im Jahresvergleich um mehr als 25 % gefallen sind, was reichliche Versorgung und verhaltene Nachfrage widerspiegelt. In Kanada, dem wichtigsten Exportursprung, deuten Einschätzungen von Regierung und Branche auf gemischte, aber insgesamt ausreichende Bodenfeuchte in den Prärien hin: Westliches Alberta und Teile von British Columbia sind trockener, während Teile von Manitoba nasser als normal sind, sodass Ende Mai rund ein Viertel der landwirtschaftlichen Flächen als ungewöhnlich trocken oder von Dürre betroffen eingestuft wird.
Berichte zum Pflanzenzustand aus den nördlichen Ebenen der USA deuten darauf hin, dass Haferbestände überwiegend in einem zufriedenstellenden bis guten Zustand sind, mit lokaler Trockenheit, aber bisher in dieser Saison ohne flächendeckenden Stress. In der EU lassen offizielle Futterhafer‑Preisindizes um 177 EUR/t und stabile regionale Kassanotierungen darauf schließen, dass das Angebot im Verhältnis zur inländischen Futterverbrauchsnachfrage ausreichend ist und Hafer preislich weiterhin mit anderen Grobgetreiden wie Gerste und Mais konkurriert.
Wetter & Bestandsentwicklung
In Kanada bleiben Teile der westlichen Prärien trockener als im Durchschnitt, doch insgesamt sind die Bewertungen für die Feldbestände weiterhin relativ robust, mit den meisten Getreidearten, die trotz einer leichten Eintrübung jüngst überwiegend als gut bis sehr gut eingestuft werden. Die Getreidebestände in Saskatchewan, einschließlich Hafer, haben bis Mitte Juni eine leichte Verschlechterung der Zustandsbewertungen verzeichnet, liegen aber weiterhin deutlich über kritischen Schwellenwerten für Ertragsrisiken.
In den USA zeigen die Daten zum Vegetationsstand Mitte Juni, dass sich der Zustand der Haferbestände in den wichtigsten Anbaustaaten nahe den langjährigen Mittelwerten bewegt, ohne dass bislang eine großflächige Wetteranomalie den Ausblick dominiert. In Europa weisen aktuelle Marktberichte aus Spanien und anderen Drehkreuzen auf stabile Preise und keine größeren witterungsbedingten Störungen im Hafterangebot hin, im Gegensatz zu einer gewissen Festigkeit bei Gerste. Wetter bleibt damit ein zu beobachtender Faktor, ist derzeit jedoch kein entscheidender bullischer Treiber für Hafer.
Fundamentaldaten & Marktstimmung
Der moderate Carry der Terminkurve bis 2027 und 2028, mit Kontrakten, die sich allmählich von den niedrigen 260ern in den mittleren 340er‑Bereich US‑ct/bu bewegen, spiegelt Erwartungen an eine weiterhin ausreichende Verfügbarkeit und nur begrenzt eingepreiste Lager‑ und Finanzierungskosten wider. Das Open Interest konzentriert sich auf die Kontrakte Dezember 2026 und März 2027, was unterstreicht, dass die Absicherungsaktivität auf das kommende Vermarktungsjahr fokussiert ist.
Die spekulative Nachfrage nach Hafer bleibt im Vergleich zu anderen Getreiden gering, was sich in dünnen Umsätzen in den Frontkontrakten und dem starken Rückgang von den Preisspitzen zu Jahresbeginn zeigt. Externe Marktdaten belegen, dass Hafer in den vergangenen Monaten schlechter abgeschnitten hat als andere Getreidearten und die aktuellen Niveaus inflationsbereinigt nahe Mehrjahrestiefs liegen. Dieses Umfeld, kombiniert mit sehr stabilen EU‑Kassapreisen, legt nahe, dass der Markt derzeit eher von Nachfrageschwäche als von kurzfristigen Angebotsschocks getrieben ist.
Handelsausblick
- Produzenten (EU): Bei EXW‑Futterhafer um 179 EUR/t und begrenzt sichtbaren Aufwärtstreibern bietet sich an, bei Anstiegen der nächstfälligen Futures in Richtung hoher 270er bis niedriger 280er EUR/t (Äquivalent) schrittweise Vorwärtsabsicherungen vorzunehmen, während ein Teil der Mengen unbepreist bleibt für den Fall späterer wetterbedingter Preisspitzen.
- Futterkäufer: Die Kombination aus Mehrjahrestiefs an den Futuresmärkten und seitwärts laufenden EU‑Kassapreisen eröffnet ein Zeitfenster, die Deckung moderat in Q4 2026–Q1 2027 auszudehnen, insbesondere dort, wo Hafer mit festeren Gerstenpreisen um 189 EUR/t konkurriert.
- Spekulanten: Angesichts schwacher Nachfragetrends und nur lokaler Wetterrisiken sollten Strategien bevorzugt auf Käufe in Rücksetzer nahe den jüngsten Tiefs mit engen Risikolimits oder auf Verkäufe von Erholungen zurück in frühere Widerstandsbereiche setzen, statt der aktuellen Erholung hinterherzulaufen.
3‑Tage‑Preisindikation (Richtung)
- CBoT‑nächstfälliger Hafer (in EUR): Leicht fester bis seitwärts, mit Widerstand nahe dem Äquivalent von 270–280 EUR/t und Unterstützung um die jüngsten Tiefs nahe 260 EUR/t.
- EU‑Futterhafer (EUR/t): Weitgehend stabil um 175–180 EUR/t; keine starken Treiber für eine deutliche Bewegung in den nächsten drei Handelstagen.
- Deutscher EXW‑Futterhafer: Seitwärts um 179 EUR/t, folgt eher der regionalen Nachfrage und Logistik als der Volatilität der Futures.