Rosinenmarkt sieht große Ernteerwartungen, aber zähe Preise
Der Rosinenmarkt steuert auf eine große Ernte mit stabilen bis festen EUR-Preisen zu, da die Kosten steigen, die Exporte stark bleiben und Produzenten höhere Niveaus für die neue Saison anpeilen.
Preise
Produzenten in wichtigen Ursprungsregionen signalisieren Zielniveaus um 5 USD/kg für Rosinen der neuen Ernte, getrieben vor allem durch höhere Input-, Arbeits- und Finanzierungskosten statt durch Knappheit. Bei einem indikativen EUR/USD von etwa 1,09 entspricht dies grob 4,60 EUR/kg im Ursprung und impliziert einen deutlichen Aufschlag gegenüber den derzeitigen Exportangeboten.
Die Spot-Exportnotierungen liegen jedoch deutlich darunter. Türkische Sultanas aus Malatya werden derzeit je nach Typ mit rund 2,03–2,95 EUR/kg FOB indiziert, Bio-Ware liegt bei etwa 3,10 EUR/kg FOB. CIF-Angebote für gebrauchsfertige türkische Sultanas Typ 9 nach Europa liegen bei rund 2,13 EUR/kg. Chinesische Sultanas Typ 9 RTU Standardqualität nach Nordeuropa liegen bei etwa 2,11 EUR/kg FCA, während indische Rosinen je nach Farbe und Qualität in einer Spanne von etwa 1,88 bis 2,60 EUR/kg FOB/FCA gehandelt werden.
Angebot & Nachfrage
Die diesjährige Ernte war zunächst von starken Regenfällen und Hagel betroffen, die lokal Schäden verursachten und anfänglich Sorgen um Menge und Qualität auslösten. Das anschließende warme Wetter seit Beginn des Sommers und ein stärkeres Bewusstsein für Bestandsführung bei den Erzeugern haben den Ausblick jedoch deutlich verbessert. Sowohl Produzenten als auch Exporteure zeigen sich nun grundsätzlich optimistisch für die neue Ernte und erwarten trotz der frühen Rückschläge eine reichliche Produktion.
Auf der Nachfrageseite erreichten die wöchentlichen Exporte bis zum 27. Juni rund 2.920 Tonnen, etwa 400 Tonnen mehr als in derselben Woche des Vorjahres. Dies deutet auf eine solide internationale Nachfrage vor Beginn der neuen Saison hin, da Käufer sich vor dem Haupt-Erntedruck absichern. Historisch können bei großen Ernten die Exportmengen steigen, während die Stückpreise unter Druck geraten. In diesem Jahr könnte die Bereitschaft der Produzenten, auf höheren Preisen zu bestehen, die typischen Preisrückgänge zur Erntezeit jedoch abmildern.
Fundamentaldaten & Kosten
Fundamental steuert der Markt auf ein klassisches Duell „große Ernte versus hohe Kosten“ zu. Ein reichliches Angebot würde normalerweise weichere Preise implizieren, doch Produzenten verweisen auf deutlich gestiegene Kosten für Arbeit, Verpackung, Energie und Finanzierung als Rechtfertigung für Zielniveaus um 5 USD/kg. Dies zeigt eine klare Lücke zwischen den Preisvorstellungen der Erzeuger und den derzeitigen Exportangeboten von rund 2–3 EUR/kg, wobei die Biosegmente bereits näher an den kostenbasierten Zielgrößen liegen.
Das Lagerverhalten wird entscheidend sein. Wenn Exporteure und Abpacker davon ausgehen, dass Erzeuger ihre Ware finanzieren und einlagern können, könnten sie mit geringerem Verkaufsdruck zur Erntezeit rechnen und sich auf eine flachere Preiskurve einstellen. Umgekehrt könnte jede Liquiditätsknappheit im Erzeugersegment rasch in stärkeren Verkaufsdruck münden und zu einem vorübergehenden Abrutschen unter die angestrebten Preisniveaus führen, bevor sich der Markt wieder einpendelt.
Wetter & kurzfristiger Ausblick
Das Wetter in den wichtigsten Anbauregionen hat sich von problematisch zu überwiegend unterstützend entwickelt. Frühzeitige Unwetter sind wärmeren, trockeneren Bedingungen gewichen, die Reifung und Trocknung begünstigen, weitere Schäden begrenzen und die Qualitätsverbesserung unterstützen. Anhaltend stabiles Sommerwetter wird entscheidend sein, um die nun im Markt eingepreisten positiven Ertragserwartungen zu stützen.
Mit Blick auf Mitte August, wenn endgültige Preisindikation erwartet werden, wird der Markt Feldberichte zu Beerenkaliber, Zuckergehalt und Schadenshäufigkeit genau verfolgen. Jede neue Verschlechterung der Witterung – insbesondere während der kritischen Trocknungsphase – könnte die Bilanz verknappen und den Produzenten eine stärkere Verhandlungsposition verschaffen, um ihre höheren Preisziele zu verteidigen.
Handelsausblick
- Käufer: Nutzen Sie die aktuell stabilen FOB/CIF-Niveaus im Bereich von 2,0–3,0 EUR/kg, um sich vor Mitte August teilweise nach vorne einzudecken, wenn sich die endgültigen Preise näher an den höheren, kostenbasierten Zielgrößen der Produzenten bewegen könnten.
- Produzenten: Angesichts der Kombination aus guten Ernteaussichten und starkem Kostendruck bieten sich disziplinierte Verkaufsstrategien, gestaffelte Angebote und Qualitätsdifferenzierung (z. B. Bio, RTU) an, um Preisaufschläge zu rechtfertigen.
- Händler: Verfolgen Sie Exportströme und Erntefortschritt genau; starke wöchentliche Exporte und günstiges Wetter begünstigen einen „Carry-freundlichen“ Markt, doch jeder Wetterschock oder Logistikengpass könnte die Stimmung rasch drehen.
3-Tage-Preistendenz (Richtung)
- Türkei – Malatya, FOB/CIF Rosinen: Seitwärts; Preise dürften sich vorerst im Bereich von 2,0–3,1 EUR/kg halten, bis klarere Hinweise zu Ernte und Preisgestaltung vorliegen.
- EU – Nordeuropa FCA-Lagerware (TR/CN-Ursprung): Leicht festerer Bias aufgrund von Logistik- und Frachtkosten, größere Bewegungen in den nächsten drei Tagen jedoch unwahrscheinlich.
- Indien – FOB/FCA Rosinen: Leicht unterstützter Ton; stabile bis leicht höhere EUR-Preise, da lokale Kosten und Währungsentwicklungen in die Angebote einfließen.