Rosinenpreise ziehen aufgrund heißem Xinjiang-Wetter und knapper Sultana-Verfügbarkeit leicht an
Kompaktes Rosinenmarkt-Update Juni 2026: moderate Preissteigerungen, heißes Xinjiang-Wetter, stabile Türkei-Versorgung und 3‑Tages-EUR-Preisausblick für wichtige Herkünfte.
Preise & Spreads (alle in EUR/kg)
Unter Verwendung einer Arbeitsannahme für den Wechselkurs von 1 USD = 0,93 EUR ergeben sich aus aktuellen Angeboten folgende Umrechnungen:
Indische Qualitäten haben im Wochenvergleich rund 1 % zugelegt, was die feste Inlandsnachfrage und begrenzte Verkaufsbereitschaft der Erzeuger widerspiegelt, während afghanische Rosinen in Futtermittelqualität in Europa diese Aufwärtsbewegung nachzeichnen. Chilenische Flame Jumbo und chinesische Sultanas sind stabil, die Exporteure sind gut abgesichert. Türkische Sultanas aus Malatya sind weitgehend unverändert, mit leicht weicheren Angeboten bei einigen mittleren Qualitäten, da Exporteure um europäische Ausschreibungen konkurrieren.
Angebot, Nachfrage & regionale Wettertreiber
Indien (IN)
Indien bleibt einer der drei größten Rosinenproduzenten weltweit; die jüngsten Branchenbilanzen zeigen für 2025/26 eine Produktion von rund 160.000 Tonnen, nach 245.000 Tonnen in 2024/25, womit sich das Gesamtangebot auf etwa 180.000 Tonnen verringert. Diese strukturelle Verengung stützt die moderate Preisaufwertung, die in den Angeboten in New Delhi zu beobachten ist.
Das Wetter im wichtigsten Rosinengürtel Indiens (Maharashtra) war Anfang Juni saisonal heiß, mit Vor-Monsun-Schauern in einigen Traubenanbaugebieten, jedoch ohne neue Berichte über schwere Schäden in den letzten drei Tagen. Aktuelle offizielle Dashboards für Tafeltrauben deuten auf schwächere Erlöse für frische Trauben Ende 2025 hin, was einen Teil der Ernte in die Trocknung lenkt. Dennoch ist die Rosinenbilanz 2025/26 deutlich knapper als im Vorjahr. Dies erklärt, warum Exporteure kaum bereit sind, weiter Rabatte zu gewähren, obwohl die weltweite Nachfrage eher stabil als stark wachsend ist.
China (CN) – Xinjiang
Xinjiang, Chinas Kernregion für Rosinen, erlebt derzeit intensive Frühsommerhitze. Neuere Wetterdaten für wichtige Standorte wie Bole und Aksu zeigen im Juni Höchsttemperaturen häufig im niedrigen bis mittleren 30er-Grad-Bereich °C, mit Prognosen für die kommenden Tage, die sehr warmes, überwiegend trockenes Wetter erwarten lassen. Chinesische Medien berichteten diese Woche über Hitzewarnungen in Teilen Xinjiangs, in einigen Gebieten werden Temperaturen von über 40–45 °C erwartet.
Für die vorhandenen Bestände der Ernte 2025/26 hat dies kurzfristig nur geringe Auswirkungen, erhöht jedoch die Unsicherheit in Bezug auf Beerenansatz und Fruchtqualität der kommenden Ernte, falls die Hitze während der entscheidenden Wachstumsphasen anhält oder sich verstärkt. In der chinesischen Berichterstattung zu verwandten Trockenfruchtmärkten (z. B. Jujube) wird das Wetter bereits als zentrales Thema für Händler hervorgehoben. In Verbindung mit der starken globalen Produktion in Chinas Rosinenbilanz 2025/26 (rund 190.000 Tonnen) preist der Markt derzeit zwar gute Verfügbarkeit ein, enthält aber einen Wetterrisiko-Aufschlag für später in der Saison.
Türkei (TR)
Der türkische Sultana-Sektor erholt sich von schweren Frostschäden an der 2025er Ernte, die zu knappen Beständen und hohen Preisen bis Anfang 2026 geführt haben. Die jüngsten globalen Branchenschätzungen zeigen die türkische Produktion 2025/26 weiterhin deutlich niedriger bei rund 165.000 Tonnen, verglichen mit über 226.000 Tonnen in 2024/25. Das verknappt das Gesamtangebot und lässt die Endbestände sinken.
Das Wetter in den Sultana-Regionen Malatya und Ägäis war in den letzten Tagen saisonal warm, ohne neue Frostereignisse. Mit überstandener kritischer Blüte und frühem Fruchtansatz ist das kurzfristige Wetterrisiko für den stehenden Bestand moderat. Die Exportkanäle nach Europa laufen reibungslos, und Verkäufer sehen wenig Anlass, die Preise auf dem aktuellen Niveau aggressiv zu senken.
Chile (CL)
Chiles Rosinensektor ist kleiner als jener in Indien, der Türkei oder China, bleibt jedoch wichtig für Premium-Sorten wie kernlose und Flame Jumbo. Ein aktuelles, USDA-ähnliches Update für Chile weist für 2025/26 eine Rosinenproduktion von rund 62.000 Tonnen aus, in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, aber deutlich unter dem Höchststand 2013/14. Dies spiegelt reduzierte Rebflächen und Konkurrenz durch Frischexporte wider.
Chile ist soeben in den Südwinter eingetreten. Der nationale Wetterdienst erwartet für Juni–August in den zentralen und südlichen Regionen Niederschläge im Bereich von normal bis überdurchschnittlich. Dies könnte dazu beitragen, die Wasserreserven aufzufüllen und die Reben für den nächsten Zyklus zu unterstützen, statt die bestehenden Trockenfruchtbestände zu gefährden. Kommentare aus dem Weinsektor zur Ernte 2026 heben ein La-Niña-Muster mit überdurchschnittlichen Temperaturen, aber generell guter Traubenqualität hervor. Für Rosinen deutet dies auf stabile Versorgung hin und erklärt, warum chilenische Angebote in Europa derzeit unverändert sind.
Afghanistan (AF)
Afghanistan ist ein kleiner, aber wachsender Rosinenexporteur; das jüngste globale Branchenbalancing setzt die Produktion 2025/26 bei nahe 20.000 Tonnen an, nach 12.000 Tonnen im Vorjahr. Ein Großteil dieses Volumens zielt auf preissensible Futter- und Industriesegmente und weniger auf hochwertige Einzelhandelsware.
In den letzten drei Tagen wurden aus wichtigen afghanischen Rosinengebieten keine nennenswerten witterungsbedingten Störungen gemeldet. Internationale Entwicklungs- und Handelsberichte verweisen auf anhaltende logistische Einschränkungen, aber bisher im Juni keine akuten neuen Engpässe. Vor diesem Hintergrund spiegeln die moderaten Preissteigerungen in Europa für afghanische Rosinen in Futtermittelqualität die breiteren Trockenfruchttrends wider und unterstreichen ihre Rolle als kostengünstige Alternative zu höherwertigen Sultanas.
Fundamentaldaten & Marktstimmung
- Globales Gleichgewicht: Die jüngste umfassende Branchenprognose (März 2026) geht für 2025/26 von einer weltweiten Rosinenproduktion von etwa 1,16 Mio. Tonnen aus, nach 1,35 Mio. Tonnen in 2024/25, bei weitgehend stabiler Nachfrage. Die Endbestände sollen von rund 154.000 Tonnen auf 137.000 Tonnen sinken.
- Verschiebung der Herkünfte: Indien und die Türkei verzeichnen 2025/26 deutliche Produktionsrückgänge, die teilweise durch Zuwächse in China, Südafrika und Afghanistan kompensiert werden. Diese Umverteilung begrenzt extreme Knappheit, hält den Markt aber enger als im Vorjahr.
- Konkurrenzierende Verwendungen: Einige Herkünfte (Chile, Südafrika) priorisieren Wein- oder Tafeltraubenexporte, was das strukturell verfügbare Volumen für die Rosinentrocknung begrenzt.
- Nachfrage: In der ersten Junihälfte zeichnet sich kein größerer Nachfrageschock ab. Die Nachfrage im Einzelhandel und im Foodservice in Europa und Asien ist stabil, und es gibt anekdotische Hinweise darauf, dass Trockenfrüchte von anhaltenden Lieferengpässen bei einigen Tafeltraubensegmenten profitieren.
Kurzfristiger Ausblick & Trading-Ideen
Wetterausblick (nächste 3 Tage)
- CN – Xinjiang: Prognosen für wichtige Becken wie Bole und Aksu deuten in den nächsten Tagen auf sehr warmes und überwiegend trockenes Wetter mit Tageshöchstwerten im niedrigen bis mittleren 30er-Grad-Bereich °C hin, was bei längerem Andauern die Sorgen um Hitzestress verstärkt.
- CL – Zentrale Täler: Frühe Winterbedingungen überwiegen; nationale Prognosen signalisieren für diesen Winter normale bis überdurchschnittliche Niederschläge, aber kurzfristig werden keine Extremwetterlagen hervorgehoben, die die Bewegung von Beständen stören könnten.
- IN/TR/AF: Für die letzten drei Tage wurden keine größeren neuen Wetterwarnungen gemeldet, die Rosinengebiete betreffen; die Bedingungen sind weitgehend saisonal.
Handelsausblick – zentrale Empfehlungen
- Nahe Bedarfe bei Indien-gebundenen Qualitäten absichern: Bei rückläufiger indischer Produktion im Jahresvergleich und bereits leicht steigenden Preisen sollten Käufer erwägen, den Bedarf für mindestens 1–2 Monate bei Golden-/Braun-Qualitäten zu decken, statt auf Rabatte zu warten, die möglicherweise ausbleiben, falls sich das Hitzewetterrisiko in Xinjiang verschärft.
- Türkische und chinesische Sultanas für Preisglättung nutzen: Stabile türkische und chinesische Angebote dienen als Anker, um teurere Herkünfte preislich auszugleichen; ein Mischbezug kann die durchschnittlichen Kosten begrenzen und gleichzeitig die Qualität sichern.
- Xinjiang-Wetter für Q4-Risiko im Blick behalten: Sollte extreme Hitze bis in das Fenster von Blüte und Beerenentwicklung anhalten, könnten sich Prämien für nicht-chinesische Herkünfte im weiteren Verlauf von 2026 ausweiten; Optionalität über Verträge mit flexiblen Herkunftsklauseln kann wertvoll sein.
- Afghanische Futtermittelqualitäten bleiben Rabattinstrument: Für industrielle Anwendungen und Futterzwecke bieten afghanische Rosinen Kostenvorteile gegenüber Standard-Ess-Sultanas; die Absicherung von Volumina jetzt kann gegen einen möglichen Spill-over-Effekt aus dem Food-Grade-Markt schützen.
3-tägige indikative Preisrichtung (EUR)
- Indien (IN, New Delhi FOB): Leicht fester Bias (+0–1 %) für Golden/Braun/Schwarz AA-Qualitäten, da Exporteure angesichts knapperer Inlandsversorgung höhere Angebote testen.
- Türkei (TR, Malatya FOB/CIF): Weitgehend stabil (0 bis -0,5 %) bei Sultanas; der Wettbewerb um europäische Ausschreibungen begrenzt das Aufwärtspotenzial, aber die knappe 2025/26-Bilanz begrenzt das Abwärtsrisiko.
- China (CN, Xinjiang bis EU FCA): Überwiegend stabil (0–0,5 % nach oben), da das heiße Wetter in Xinjiang einen leichten Risikoaufschlag erzeugt, die reichlichen aktuellen Bestände jedoch kurzfristige Preisbewegungen dämpfen.
- Chile (CL, Flame Jumbo FCA Europa): Unverändert (0–0,5 %) bei komfortablen Beständen und normalen Handelsströmen; eventuelle Zuwächse dürften eher dem breiteren Trockenfruchtkomplex folgen als lokalen Fundamentaldaten.
- Afghanistan (AF, Futtermittelqualität FCA Europa): Leicht fester (+0–1 %) im Gleichklang mit dem Gesamtmarkt, aber weiterhin mit deutlichem Abschlag zu Ess-Sultanas in Lebensmittelqualität.