Stabile Preise für getrocknete Feigen, während Hitze und Stürme türkische und spanische Ernten belasten
Die Preise für getrocknete Feigen aus der Türkei und Spanien bleiben fest, während Spaniens Hitzewelle und heiß-trockenes Wetter in der Türkei Ernte- und Qualitätsrisiken erhöhen. Kurzfristiger Marktausblick in EUR.
Preise
Alle nachstehenden Feigenpreise sind indikative FOB-Angebote und wurden, falls erforderlich, mit einem ungefähren Wechselkurs von 1,00 USD = 0,93 EUR in Euro umgerechnet.
Angebot & Nachfrage
Die Türkei bleibt die dominierende Kraft im Markt für getrocknete Feigen und steht für mehr als ein Viertel der weltweiten Produktion frischer Feigen sowie für den Großteil der Exporte von getrockneten Feigen. Exportdaten für das Vermarktungsjahr 2025/26 deuten auf steigende türkische Mengen und höhere Exportwerte je Einheit hin, was eine robuste internationale Nachfrage bestätigt.
Branchenschätzungen zufolge könnte die türkische Produktion von getrockneten Feigen von rund 60.000 t in 2024/25 auf etwa 70.000 t in 2025/26 steigen und damit das weltweite Gesamtangebot auf rund 156.000 t anheben. Spanien bleibt mit rund 10.000–12.000 t ein kleiner, aber bedeutender Produzent, dessen Produktion überwiegend in EU-Märkte fließt. Stabile, hohe europäische Großhandelspreise deuten darauf hin, dass die nachgelagerte Nachfrage die jüngsten Kostensteigerungen bislang absorbiert hat.
Wetter & Ernteausblick (ES, TR)
Spanien (ES)
Extremadura und andere westspanische Regionen haben gerade ein sehr trockenes und ungewöhnlich warmes Frühjahr hinter sich, das als eine der trockensten Perioden von März bis Mai im Zeitraum 1991–2020 eingestuft wird. Dies hat zu relativ trockenen Böden zu Beginn des Sommers geführt und die Bewässerungsnachfrage für Feigen und andere Obstkulturen steigen lassen.
Seit Ende Juni erlebt Spanien eine schwere Hitzewelle, wobei die nationalen Wetterdienste vor „ernster, teils sogar außergewöhnlicher Gefahr“ warnen und die Höchstwerte in Teilen des Landes an die 40°C heranreichen oder diese überschreiten. Für Feigenanlagen kann anhaltende extreme Hitze während Fruchtansatz und frühem Fruchtwachstum die Bäume stressen und potenziell die Erträge bei Frischware reduzieren, auch wenn sich die Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Exportware bei getrockneten Feigen erst näher zur Ernte eindeutig zeigen werden.
Türkei (TR)
Der ägäische Feigengürtel rund um Aydın/İzmir befindet sich derzeit in einem saisonal heißen, überwiegend trockenen Frühsommermuster. Lokale Prognosen zeigen für Ende Juni bis Anfang Juli typische Hitze, jedoch ohne größere unmittelbare Extreme. Malatya, eine Schlüsselregion für die Verarbeitung von Trockenfrüchten, zeigt sich in den kommenden Tagen ähnlich warm und trocken mit typischen kontinentalen Sommerbedingungen.
Anfang Mai erlebte das weitere ägäische Becken eine markante Kältewelle, doch aktuelle Einschätzungen deuten auf keine weitreichenden, bestätigten Schäden an Feigenanlagen im Exportmaßstab hin. Insgesamt wird die türkische Feigenernte 2025/26 von Branchenprognosen weiterhin mindestens als durchschnittlich bis moderat über dem Vorjahresvolumen erwartet.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Exportmargen und Kosten: Jüngere türkische Untersuchungen zeigen, dass Exporteure und Verarbeiter den größten Anteil an der Wertschöpfungskette für getrocknete Feigen vereinnahmen und somit besonders sensibel auf Fracht-, Energie- und Finanzierungskosten reagieren; dies erklärt die Widerstände gegen niedrigere FOB-Angebote trotz stabiler Erzeugerpreise.
- EU-Nachfrage: Deutschland, Frankreich und andere EU-Destinationen bleiben die wichtigsten Absatzmärkte für türkische getrocknete Feigen, mit stabilem bis festem Importinteresse laut Berichten von Handelsplattformen im Juni 2026.
- Konkurrenzprodukte: In Spanien verweisen aktuelle Berichte über erhebliche hitzebedingte Verluste in Mais- und Tomatenkulturen auf einen breiteren Klimastress, könnten aber indirekt die Nachfrage und die Preise für Trockenfrüchte stützen, falls das Angebot an Frischobst knapper wird.
- Politik & Risiko: Unterstützungsmaßnahmen der EU für wettergeschädigte Landwirte in Andalusien und Extremadura unterstreichen das längerfristige Klimarisiko für die mediterrane Obstproduktion und könnten einen strukturellen Risikoaufschlag in die Preise einpreisen.
Handelsausblick (nächste 1–3 Wochen)
- Türkische Bio-Ware aus der Ägäis: Bei stabilen Exportpreisen und unterstützenden Fundamentaldaten erscheinen Rücksetzer in den Bereich von €13,5–15,0/kg FOB für Premium-Bioqualitäten als Kaufgelegenheit für Importeure, die sich für Q3–Q4 eindecken möchten.
- Konventionelle Qualitäten aus Malatya: Die Spanne von €6–7/kg FOB ist durch inländische Handelspreise gut abgesichert; Verkäufer können ihre Angebote halten, sollten jedoch bei Prämien für kurzfristige Verschiffungen flexibel bleiben, falls die Nachfrage nachlässt.
- Spanische Herkünfte: Spanische Bio-Feigen um €10/kg FOB bleiben für EU-Käufer attraktiv, die eine Diversifizierung gegenüber der Türkei anstreben, doch die extreme Hitze erfordert eine engere Beobachtung der Ernte, bevor größere langfristige Positionen eingegangen werden.
- Risikomanagement: Käufer und Verkäufer sollten die Wetterberichte für Spanien und die Türkei genau verfolgen; jede bestätigte Auswirkung auf die Erträge oder Qualitätsabstufung könnte die Verfügbarkeit von Spitzenqualitäten verknappen und die Preise bis in den Spätsommer hinein nach oben treiben.
3‑Tage-Regionale Preisindikation
Zeitfenster: 27.–29. Juni 2026. Alle Indikationen sind richtungsbezogen, in EUR/kg, FOB-Äquivalent.
- Türkei – İzmir (TR): Bio-Feigen mit großem Kaliber dürften sich um €14–15/kg halten; konventionelle gehackte Ware und niedrigere Qualitäten bei etwa €9–10/kg. Richtung: seitwärts bis leicht fest bei stabiler Exportnachfrage.
- Türkei – Malatya (TR): Konventionelle Lerida-Qualitäten dürften nahe €6–7/kg gehandelt werden. Richtung: seitwärts, mit inländischen Geboten und Handelsumsätzen in Aydın als Untergrenze.
- Spanien – Madrid / Extremadura (ES): Bio-getrocknete Feigen werden für kleine Exportpartien bei etwa €9,5–10,5/kg erwartet. Richtung: seitwärts, Hitze-Risikoaufschlag, da die Märkte die anhaltende Hitzewelle und Trockenheit beobachten.