Ukrainische Futtergerste sieht schleppenden Handel, hohes Angebot und schwache Exporte – die Preise bleiben unter Druck, mit weiterem Abwärtsrisiko in naher Zukunft.
Preise
Der schleppende Handel und der Mangel an Exportkanälen belasteten den ukrainischen Futtergerstenmarkt in der vergangenen Woche weiter. Bei gestiegener Getreideverfügbarkeit konzentrierten sich die Gebote nahe 6.000–7.500 UAH/t CPT, was je nach Standort und Logistikkosten ungefähr 139–173 EUR/t entspricht.
Aktuelle Angebotsdaten deuten ebenfalls auf eine leichte, aber anhaltende Abschwächung der Kassanotierungen hin. Jüngste ukrainische Futtergerstenangebote liegen bei etwa 0,15 EUR/kg FCA Kiew und Odessa (rund 150 EUR/t), während Gerste für Rinderfutter FOB Odessa bei etwa 0,176 EUR/kg (176 EUR/t) notiert, beides leicht unter den vorherigen Niveaus. Deutsche Futtergerstenangebote von etwa 0,21 EUR/kg ab Hof (rund 210 EUR/t) verdeutlichen den Preisabschlag der Ukraine, lösen aber bislang noch keine starke neue Exportnachfrage aus.
Angebot & Nachfrage
Das Segment der ukrainischen Futtergerste ist derzeit von einem Überangebot geprägt. Die gestiegene Getreideverfügbarkeit auf dem Inlandsmarkt in Verbindung mit Schwierigkeiten, Mengen ins Ausland zu verladen, führt zu einem spürbaren Lagerdruck auf Betriebsebene. Verstärkt wird dies durch den breiteren Kontext eingeschränkter Schwarzmeerexporte, in dem Raketen- und Drohnenangriffe auf Häfen und Terminals im Raum Odessa die seegestützte Getreidekapazität der Ukraine stark reduziert und eine Verlagerung auf weniger effiziente Land- und Donau-Routen erzwungen haben, die zusammen nur rund die Hälfte des Exportvolumens vor der Blockade abdecken können.
Auf der Nachfrageseite sind die inländische Viehwirtschaft und die Verarbeitungsindustrie aktiv, bleiben jedoch stark preissensibel. Die Einkäufe werden in kleine Chargen aufgeteilt, da die Käufer mit weiteren Abwärtskorrekturen rechnen – vor dem Hintergrund anhaltender logistischer Störungen und Regierungsdiskussionen über Notfallhilfen für Landwirte, die von der Hafenblockade und den schrumpfenden Exportaussichten betroffen sind.
Fundamentaldaten & Wetter
Strukturell bleibt die Ukraine ein bedeutender Gersteproduzent und -exporteur; jüngste Analysen verweisen auf umfangreiche Gerstenproduktion und vergleichsweise komfortable Bestände in den Saisons 2025/26 und 2026/27. Prognosen hoben jedoch bereits hervor, dass die Nachfrage wichtiger Abnehmer, insbesondere in Nordafrika und dem Nahen Osten, schwächer ausfallen könnte, während der globale Wettbewerb und hohe Bestände in anderen Ursprungsländern die internationalen Futtergetreidepreise gedämpft halten.
Die kurzfristigen Wetterbedingungen in den wichtigsten Getreidegürteln in der Zentral- und Südukraine Mitte August 2026 sind jahreszeitlich warm mit vereinzelten Schauern und wirken insgesamt eher unterstützend für Ernte und Nachernte-Logistik, statt Ertragsrisiken zu verursachen. Da der Großteil der Gerstenernte bereits eingebracht ist, beeinflusst das Wetter nun vor allem Trocknungsbedingungen und Transport und weniger die Produktionsmengen, sodass es wenig dazu beiträgt, den bärischen Effekt der logistischen Engpässe und der begrenzten Exportnachfrage auszugleichen.
3–4-Wochen-Ausblick & Handelsideen
- Preistendenz: Bei hohen Beständen und weiterhin beeinträchtigten Exportkanälen bleibt die kurzfristige Tendenz der ukrainischen Futtergerstenpreise leicht abwärtsgerichtet bis seitwärts. Weitere moderate Abschwächungen sind möglich, falls alternative Exportwege bis Ende August nicht an Tempo gewinnen.
- Für Landwirte: In Betracht zu ziehen sind gestaffelte Verkäufe statt umfangreicher Spotverkäufe zu den derzeit gedrückten Niveaus, insbesondere wenn Lagerkapazitäten auf dem Hof und Finanzierungsmöglichkeiten vorhanden sind. Gleichzeitig sollte ein übermäßiges Halten von Partien minderer Qualität vermieden werden, da diese später in der Saison zusätzlichen Abschlägen ausgesetzt sein könnten.
- Für inländische Käufer (Futter, Verarbeitung): Eine Einkaufspolitik „von der Hand in den Mund“ bleibt sinnvoll, solange Basis und Logistik unter Druck stehen. Die aktuellen Preise bieten bereits einen Abschlag gegenüber westeuropäischen Herkünften; Rücksetzer können zur Deckung des kurzfristigen Bedarfs genutzt werden, während Flexibilität gewahrt bleibt, falls Exportkorridore wieder öffnen oder staatliche Unterstützung das verfügbare Angebot verknappt.
- Für Exporteure/Händler: Der Fokus sollte auf der Sicherung effizienter Bahn-/Donau-Logistik und der Beobachtung politischer Signale zu Mindestexportpreisen und Unterstützungsprogrammen liegen. Jede Verbesserung der Hafensicherheit oder der internationalen Nachfrage (z. B. erneutes Kaufinteresse aus China oder der MENA-Region) könnte die FOB-Werte von den derzeit gedrückten Niveaus aus rasch festigen.
3‑Tage-Richtungstendenz der Preise (EUR)
- Ukraine, FCA Kiew Futtergerste: Stabil bis leicht schwächer bei rund 145–150 EUR/t in den nächsten drei Tagen, da der Verkaufsdruck auf die Landwirte anhält und inländische Käufer vorsichtig bleiben.
- Ukraine, FCA Odessa Futtergerste: Schwacher Grundton, erwartet bei rund 145–150 EUR/t mit Abwärtsrisiko, falls sich Störungen in den Häfen verschärfen oder mehr Gerste aus blockierten FOB-Programmen in die Inlandsvermarktung umgeleitet wird.
- Ukraine, FOB Odessa Futtergerste: Nominal bei etwa 175–180 EUR/t, jedoch mit begrenzter Liquidität; die Preise dürften angesichts der Exportbeschränkungen und des globalen Wettbewerbs bei Futtergetreide seitwärts bis leicht abwärts tendieren.