Der ukrainische Futtergerstenmarkt verzeichnet schleppenden Handel, steigende Bestände auf den Betrieben und schwache Exporte – die Preise bleiben unter Druck mit begrenztem kurzfristigem Aufwärtspotenzial.
Preise
In der vergangenen Woche wurden Gebotspreise für ukrainische Futtergerste überwiegend im Bereich von 6.000–7.500 UAH/t CPT Inland und 150–165 USD/t CPT Hafen gemeldet, was eher auf einen anhaltend unter Druck stehenden Markt als auf eine klare Erholung hindeutet.
Umgerechnet zu einem ungefähren Kurs von 1 EUR = 44 UAH und 1 EUR = 1,09 USD entspricht dies etwa 136–170 EUR/t CPT Inland und 138–151 EUR/t CPT Hafen. Jüngste Angebote auf der Plattform bestätigen den weichen Ton: Futtergerstensaatgut FCA Kiew und Odessa wurde am 6. August bei rund 0,15 EUR/kg (≈ 150 EUR/t) indiziert, nach 0,16 EUR/kg (≈ 160 EUR/t) Ende Juli, während Futtergerste für Rinder FOB Odessa am 7. August auf etwa 0,176 EUR/kg (≈ 176 EUR/t) von 0,184 EUR/kg (≈ 184 EUR/t) Ende Juli zurückging.
Angebot & Nachfrage
Auf der Angebotsseite steigt die Verfügbarkeit ukrainischer Futtergerste, da mit dem Erntefortschritt Neuerntemengen in die Lieferkette einfließen. Da Exporte eingeschränkt sind, verbleibt ein größerer Anteil der Produktion im Land, was die Lagerbestände erhöht und den Wettbewerb unter den Verkäufern verschärft. Ukrainische Landwirte sehen sich damit begrenzten Alternativen jenseits des lokalen Futter- und Verarbeitungssegments gegenüber.
Die Nachfrage aus Viehhaltung und Verarbeitungsbetrieben bleibt aktiv, ist aber fragmentiert und weitgehend auf kleinere Partien beschränkt. Käufer staffeln ihre Einkäufe, vermeiden Vorwärtsdeckung zu den aktuellen Niveaus und signalisieren, dass sie mit einem weiteren Preisrückgang rechnen. Auf der Exportseite haben jüngste russische Raketen- und Drohnenangriffe auf die Häfen im Großraum Odessa die Seeverkehre erneut gestört, und Offizielle warnen nun, dass die Ukraine in 2026/27 mehr als die Hälfte ihrer geplanten Agrarexporte verlieren könnte, falls sich der Hafenbetrieb nicht normalisiert. Dadurch wird mehr Getreide – einschließlich Gerste – auf Binnen- oder Donaurouten mit höheren Logistikkosten ausweichen müssen.
Fundamentaldaten & externe Treiber
Die fundamentale Angebots-Nachfrage-Bilanz für ukrainische Futtergerste ist kurzfristig eindeutig überversorgt. Die Kombination aus steigenden Beständen auf den Betrieben, schwacher Exportnachfrage und logistischen Engpässen in den Schwarzmeerhäfen sorgt für einen bärischen Grundton. Marktsignale inländischer Käufer – laufende, aber nur auf bescheidene Tonnagen ausgerichtete Käufe – verstärken die Erwartungen weiterer Abwärtsrisiken, insbesondere wenn sich die Lagerkapazitäten im weiteren Saisonverlauf verknappen.
Extern ist es unwahrscheinlich, dass alternative Land- und Donaurouten den Ausfall der Schwarzmeerkapazitäten vor Ende August vollständig kompensieren, und selbst danach dürften sie nur etwa die Hälfte des normalen Exportvolumens bewältigen. Dies begrenzt das Aufwärtspotenzial für ukrainische FOB-Werte im Vergleich zu EU-Herkünften wie Deutschland, wo Futtergersten-Indikationen um 210 EUR/t EXW sich etwas fester halten. Unterdessen erhöht die breitere Getreidemarkt-Volatilität im Zusammenhang mit anhaltenden militärischen Aktivitäten im Schwarzen Meer – einschließlich jüngster Angriffe auf russische Exportterminals in Noworossijsk – das Risiko, hat sich bislang jedoch noch nicht in einer nachhaltigen Rallye der Gerstenpreise niedergeschlagen.
Wetterausblick (Ukraine)
Das kurzfristige Wetter in wichtigen ukrainischen Getreideregionen (einschließlich Odessa und zentraler Oblaste) dürfte in der kommenden Woche saisonal warm mit vereinzelten Schauern bleiben und damit die Erntelogistik zum Kampagnenende sowie die kurzfristigen Lagerbedingungen unterstützen. Aktuell deutet nichts auf eine akute Wetterbedrohung hin, die das verfügbare Gerstenangebot in den nächsten Tagen spürbar verändern würde.
Handelsausblick (nächste 2–4 Wochen)
- Für Landwirte: Da die Gebote bereits auf etwa 136–170 EUR/t CPT nachgegeben haben und Käufer auf weiteren Spielraum für Abschläge hindeuten, bietet es sich an, schrittweise Teilmengen bei kurzfristigen, vermutlich nur kurzlebigen Aufwärtsspitzen zu verkaufen und zugleich etwas Flexibilität für mögliche, logistikbedingte Preisspitzen im weiteren Saisonverlauf zu bewahren.
- Für Inlandsnutzer (Mischfutterwerke, Viehhaltung): Die aktuellen Preisniveaus bleiben im Vergleich zu den Vormonaten attraktiv; eine gestaffelte Deckung über 1–2 Monate im Voraus erscheint sinnvoll, um die schwache Verhandlungsmacht der Landwirte und das hohe lokale Angebot auszunutzen.
- Für Exporteure/Händler: Fokus auf flexible Abwicklung über Donau- und Landrouten, jedoch Vorsicht vor übermäßigen Verpflichtungen bei den Tonnagen angesichts unsicherem Hafenzugang und potenziellen Störungen; das Basisrisiko gegenüber EU-Zielmärkten bleibt erhöht.
3‑Tage-Preisindikation (Richtung)
- Ukraine Inlands-Futtergerste (CPT Inland): Leichter Abwärtsbias oder seitwärts; Käufer testen angesichts reichlicher Verfügbarkeit weiter niedrigere Niveaus.
- Ukraine Export-Futtergerste (FOB/CPT Raum Odessa): Seitwärts bis leicht schwächer, bedingt durch Exportengpässe und zurückhaltende internationale Nachfrage.
- Deutschland Futtergerste (EXW): Auf sehr kurze Sicht weitgehend stabil um 210 EUR/t, mit begrenzter Ansteckung durch den Druck aus der Ukraine aufgrund getrennter Logistikketten.