Der ukrainische Roggenmarkt zeigt sich Mitte März 2026 auf den ersten Blick erstaunlich ruhig: Das vorliegende FOB-Angebot aus Odesa liegt am 13. März 2026 unverändert bei 110 EUR/t, exakt auf dem Niveau der Vorwochen und damit ohne sichtbare Wochenbewegung. Hinter dieser Preisstabilität steckt jedoch kein entspannter Markt, sondern ein Markt mit dünner Liquidität, begrenzter Transparenz und strukturell knapper Verfügbarkeit. Gerade bei Roggen ist die ukrainische Lage fundamental deutlich enger als bei Weizen oder Mais: Die jüngste USDA/FAS-Schätzung für 2025/26 sieht die ukrainische Roggenproduktion nur noch bei rund 200 Tsd. t, nach 218 Tsd. t im Vorjahr, während die Endbestände auf lediglich 29 Tsd. t fallen. Parallel berichten ukrainische Marktquellen bereits seit Herbst 2025 von einem inländischen Defizit und steigenden Importbedarfen bei Roggen und Roggenmehl. Das bedeutet: Der nominell stabile FOB-Preis aus Odesa darf nicht als Zeichen eines schwachen Marktes missverstanden werden, sondern eher als Hinweis auf ein kleines, wenig gehandeltes Exportfenster, bei dem Logistik, Sicherheitslage und regionale Nachfrage den Preis stärker prägen als klassische Terminmarktsignale. Zusätzlichen Einfluss hat die Lage in Odesa selbst: Wiederholte Angriffe auf die Hafeninfrastruktur, operative Unterbrechungen und höhere Risikokosten belasten die Exportkette. Gleichzeitig bleibt der kurzfristige Wetterausblick für die südliche Ukraine überwiegend trocken bis freundlich, was für Wintergetreide zunächst positiv ist, mittelfristig aber die Bodenfeuchte genau beobachtungswürdig macht. Für Marktteilnehmer heißt das: Der Kassapreis wirkt seitwärts, die Fundamentaldaten bleiben jedoch eher fest bis latent bullish, sofern keine deutliche Entspannung bei Logistik oder Importverfügbarkeit eintritt.
📈 Preisüberblick
| Markt/Ort | Incoterm | Datum | Schluss-/Angebotspreis (EUR/t) | Wochenveränderung | Stimmung |
|---|---|---|---|---|---|
| Ukraine, Odesa | FOB | 13.03.2026 | 110 EUR/t | 0,0 % | Stabil mit fester Untertendenz |
| Ukraine, Odesa | FOB | 05.03.2026 | 110 EUR/t | 0,0 % | Neutral |
| Ukraine, Odesa | FOB | 28.02.2026 | 110 EUR/t | 0,0 % | Neutral |
| Ukraine, Odesa | FOB | 20.02.2026 | 110 EUR/t | 0,0 % | Neutral |
| Ukraine, Odesa | FOB | 13.02.2026 | 110 EUR/t | 0,0 % | Neutral |
Der Preisverlauf ist über fünf veröffentlichte Zeitpunkte vollständig flach. Für einen kleinen Markt wie Roggen ist das oft ein Zeichen begrenzter Transaktionsdichte und nicht zwingend fehlender fundamentaler Bewegung. Ein liquider Euronext-Roggen-Future als täglicher Referenzmarkt steht praktisch nicht zur Verfügung; deshalb bleibt der ukrainische FOB-Kassamarkt der zentrale Anker für diese Einschätzung.
🌍 Angebot & Nachfrage
Ukraine: strukturell knapper Markt
- USDA/FAS schätzt die ukrainische Roggenproduktion 2025/26 auf 200 Tsd. t, nach 218 Tsd. t 2024/25.
- Die geerntete Fläche sinkt auf 65 Tsd. ha.
- Die Endbestände werden nur noch bei 29 Tsd. t gesehen, nach 91 Tsd. t im Vorjahr.
- Der Inlandsverbrauch bleibt mit rund 252 Tsd. t hoch im Verhältnis zur Produktion.
- Marktquellen in der Ukraine rechnen in der Saison 2025/26 mit deutlich höheren Importen von Roggen und Roggenmehl, teils um das Fünffache gegenüber dem Vorjahr.
Damit ist der ukrainische Markt fundamental enger, als es der FOB-Preis vermuten lässt. Die Binnenversorgung hat Priorität, und Exportvolumen bleiben klein und störanfällig.
EU: mehr Produktion, aber nicht automatisch Entlastung für Ukraine
- Für die EU erwartet USDA/FAS 2025/26 eine Roggenproduktion von 7,4 Mio. t.
- Die Anbaufläche steigt auf etwa 1,8 Mio. ha, vor allem in Polen und Deutschland.
- Die Bestände bleiben dennoch unter Druck, weil Futter- und Industrienachfrage hoch bleiben.
- Frühjahrs-Trockenheitsrisiken in Teilen Polens werden explizit als ertragsrelevant genannt.
Die EU bietet damit grundsätzlich ein mögliches Beschaffungsfenster für die Ukraine, aber keine unbegrenzte Pufferfunktion. Wenn Polen oder Deutschland wetterbedingt schwächer abschneiden, kann der Importspielraum enger und teurer werden.
📊 Fundamentaldaten
| Kennzahl | Ukraine 2024/25 | Ukraine 2025/26 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Geerntete Fläche | 70 Tsd. ha | 65 Tsd. ha | fallend |
| Produktion | 218 Tsd. t | 200 Tsd. t | fallend |
| Gesamtangebot | 364 Tsd. t | 291 Tsd. t | deutlich fallend |
| Exporte | 11 Tsd. t | 10 Tsd. t | leicht fallend |
| Gesamtverbrauch | 262 Tsd. t | 252 Tsd. t | leicht fallend |
| Endbestände | 91 Tsd. t | 29 Tsd. t | stark fallend |
| Ertrag | 3,11 t/ha | 3,08 t/ha | nahezu stabil |
Die Daten zeigen klar: Nicht der Ertrag, sondern vor allem die kleine Fläche und die sinkenden Vorräte sind das Kernproblem des ukrainischen Roggenmarktes.
🚢 Logistik, Handel und jüngste Ereignisse
- Die Hafenregion Odesa bleibt ein zentraler Risikofaktor für FOB-Preise.
- Anfang März 2026 wurden Hafeninfrastruktur und ein Getreidelager in der Region Odesa erneut beschädigt.
- Bereits 2025 führten mehr als 800 Luftalarme in der Region laut Hafenbehörde zu kumulierten Ausfallzeiten von über einem Monat.
- Frühere Berichte aus dem Winter 2025/26 zeigen, dass Angriffe, Stromprobleme und höhere Versicherungs- bzw. Logistikkosten die Verladekapazität und Preisbildung direkt beeinflussen.
Für Roggen ist das besonders relevant, weil kleine Exportströme auf Störungen empfindlicher reagieren als große Weizen- oder Maisprogramme. Ein unveränderter Preis von 110 EUR/t kann daher auch bedeuten, dass Verkäufer Angebote nur selektiv offenhalten und Volumen knapp bleiben.
🌦️ Wetterausblick Ukraine (Region UA)
Südliche Export- und Anbauregionen
| Region | 14.03. | 15.03. | 16.03. | 17.03. | Marktbewertung |
|---|---|---|---|---|---|
| Odesa | Sonnig, 7/3°C | Sonnig, 9/3°C | Wolkig, 9/4°C | Mehr Sonne, 10/4°C | Kurzfristig günstig für Feldarbeiten und Logistik |
| Mykolajiw | Heiter, 13/2°C | Sonnig, 12/3°C | Wolkig, 11/4°C | Auflockerungen, 11/2°C | Gut für Wintergetreide, aber ohne Regen kein Feuchteaufbau |
| Kropywnyzkyj | Sonnig, 12/0°C | Sonnig, 12/1°C | Teilweise sonnig, 10/0°C | Meist sonnig, 10/0°C | Stabile Vegetationsbedingungen, Bodenfeuchte beobachten |
Für die nächsten drei bis vier Tage überwiegt in den relevanten ukrainischen Regionen trockenes bis freundliches Wetter. Das ist kurzfristig positiv für Überwinterungsbestände, Anschlussdüngung und Binnenlogistik. Preislich wirkt das zunächst neutral bis leicht druckmindernd. Sollte sich das trockene Muster aber über die zweite Märzhälfte fortsetzen, könnte insbesondere in leichteren Böden der südlichen und zentralen Ukraine die Feuchtefrage an Bedeutung gewinnen. Für Roggen ist das weniger kritisch als für empfindlichere Kulturen, aber in einem bereits knappen Markt kann selbst ein kleiner Ertragsabstrich die Binnenbilanz weiter verschärfen.
📌 Zentrale Markttreiber
- Stabile FOB-Notierung: 110 EUR/t seit Mitte Februar signalisiert einen ruhigen, aber sehr engen Kassamarkt.
- Sinkende ukrainische Produktion: 200 Tsd. t in 2025/26 laut USDA/FAS.
- Sehr niedrige Endbestände: nur 29 Tsd. t, damit bleibt wenig Puffer.
- Importthema: steigende Einfuhren von Roggen und Roggenmehl in die Ukraine wahrscheinlich.
- Hafenrisiko Odesa: wiederholte Angriffe und operative Unterbrechungen bleiben preisrelevant.
- EU-Versorgung: bessere EU-Ernte hilft grundsätzlich, aber Wetter in Polen/Deutschland bleibt wichtig.
📆 Handelseinschätzung und Empfehlungen
- Erzeuger: Die flache FOB-Kurve spricht kurzfristig nicht für Verkaufsdruck. Bei physisch verfügbarer Ware bleiben gestaffelte Verkäufe sinnvoll.
- Händler: Auf Logistikfenster und Hafenbetrieb in Odesa achten; Sicherheitsprämien können den realisierbaren FOB-Wert schnell verändern.
- Mühlen/Verarbeiter: Importoptionen aus der EU frühzeitig prüfen, da der ukrainische Binnenmarkt strukturell knapp bleibt.
- Käufer: Der nominell niedrige Preis von 110 EUR/t sollte nicht mit komfortabler Verfügbarkeit verwechselt werden.
- Risikomanagement: Bei Roggen ist weniger der Terminmarkt, sondern die physische Beschaffungs- und Logistiksicherheit entscheidend.
📉 3-Tage-Preisprognose (Region UA)
| Markt | Aktuell (EUR/t) | Tag 1 | Tag 2 | Tag 3 | Tendenz |
|---|---|---|---|---|---|
| FOB Odesa, Ukraine | 110 EUR/t | 110-112 EUR/t | 110-113 EUR/t | 109-113 EUR/t | Seitwärts bis leicht fest |
Begründung: Der kurzfristig freundliche Wetterausblick in der Ukraine spricht nicht für einen akuten Wetteraufschlag. Gleichzeitig verhindern die knappe ukrainische Roggenbilanz und die anhaltenden Logistik- und Sicherheitsrisiken in Odesa einen deutlicheren Preisrückgang. Daher ist in den kommenden drei Tagen vor allem eine enge Seitwärtsbewegung mit leicht fester Untertendenz wahrscheinlich.





