Georgische Haselnusspreise geben nach, da starke regionale Versorgung Aufwärtspotenzial begrenzt
Die Preise für georgische Haselnusskerne geben nach, da starkes regionales Angebot und gute Ernteaussichten das Aufwärtspotenzial begrenzen. Kurzfristiger Ausblick leicht bärisch bis seitwärts.
Preise
Alle nachstehenden Preise sind ungefähre Werte und zur besseren Vergleichbarkeit in EUR/Tonne (EUR/kg in Klammern) umgerechnet.
Georgische Kerne notieren weiterhin mit einem Aufschlag gegenüber türkischer Ware, besonders bei größeren Kalibern und EU-belieferten Positionen. Dieser Aufschlag hat sich jedoch leicht verringert, da die türkischen Preise im Zuge der Erwartung einer großen Ernte 2026/27 und schleppender Exporte nachgegeben haben.
Angebot & Nachfrage
Die globalen Angebotsindikatoren signalisieren insgesamt eine komfortable Situation. Jüngste Branchenanalysen deuten auf gute Ernteaussichten 2026 in der Türkei, dem dominierenden Exporteur, hin, begleitet von soliden Potenzialen in alternativen Herkünften wie Georgien und Aserbaidschan. Die schwache türkische Exportperformance in dieser Saison, trotz weiterhin hoher durchschnittlicher Exportpreise, unterstreicht die Nachfrageresistenz auf höheren Preisniveaus und hat dazu beigetragen, die Spotangebote nach unten zu drücken.
In Georgien waren die Exporte zu Beginn der Saison robust und wertmäßig wachsend, was die Rolle des Landes als wettbewerbsfähige sekundäre Herkunft für die EU bestätigt. Da sich die europäische Nachfrage aus der Süßwarenindustrie aber nur schrittweise erholt und einige Schokoladenhersteller mit alternativen Nüssen experimentieren, bleibt der kurzfristige Einkauf vorsichtig. Dies hält die Eindeckung überwiegend auf kurzfristiger Basis („hand‑to‑mouth“) und ermutigt Käufer, mit größeren Engagements zu warten, bis klarere Signale zur Qualität der neuen Ernte und zu den türkischen staatlichen Stützpreisen vorliegen.
Wetter & Erntebedingungen (Georgien)
Der offizielle Sommerausblick Georgiens für 2026 sieht Temperaturen von etwa 1–2°C über dem langjährigen Mittel vor, bei Niederschlägen in etwa auf oder leicht unter dem Normalniveau. Für die wichtigsten Haselnussregionen im Westen Georgiens (Samegrelo, Guria, Adscharien) bedeutet dies warme bis heiße und überwiegend trockene Bedingungen bis Ende Juli – im Allgemeinen vorteilhaft für Kernfüllung und Krankheitskontrolle, sofern die Bodenfeuchte ausreichend bleibt.
Kurzfristige Prognosen für die nächsten Tage deuten auf anhaltende Sommerhitze mit nur vereinzelten Schauern hin, ohne dass derzeit großflächige Extremereignisse für Westgeorgien erwartet werden. Innerhalb dieses Musters können lokaler Trockenstress oder isolierte heftige Gewitter nicht ausgeschlossen werden, doch es gibt keinen klaren Auslöser für eine unmittelbare, wetterbedingte bullische Neubewertung. Erzeuger sollten jedoch aufmerksam auf mögliche Hitzeperioden Ende Juli achten, die in Kombination mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen bei anhaltender Dauer beginnen könnten, sich negativ auf Kaliber und Qualität der Kerne auszuwirken.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Makro-Bilanz: Aktuelle globale Schätzungen weisen weiterhin auf ein komfortables weltweites Haselnussangebot 2025/26 hin, wobei die Türkei, Italien, Georgien und andere Länder stabile oder wachsende Ernten beitragen.
- Türkische Preisführerschaft: Markteinschätzungen verweisen auf anhaltenden Druck auf türkische Preise infolge schwacher Exporte und der Erwartung einer umfangreichen Ernte 2026/27, während der Handel im weiteren Sommer auf den neuen Interventionspreis des Türkischen Getreideamts (TMO) wartet.
- Nachfrageschwäche: Europäische Käufer bleiben selektiv; einige Süßwarenhersteller ersetzen Haselnüsse teilweise durch andere Nüsse. Dies dämpft die kurzfristige Nachfrage und stärkt eine defensive Haltung bei der Eindeckung.
- Georgischer Aufschlag unter Druck: Bei wettbewerbsfähigen türkischen Angeboten und weitgehend reibungsloser Logistik müssen georgische Kerne ihren Preisaufschlag durch Qualität oder spezifische Kundenprogramme rechtfertigen; andernfalls droht die Preisspanne kurzfristig weiter zu schrumpfen.
Handelsausblick
- Kurzfristige Tendenz (3–5 Handelstage): Leicht bärisch bis seitwärts für konventionelle georgische Kerne FCA EU, mit moderatem weiterem Abwärtspotenzial, falls türkische FOB-Angebote erneut nachgeben und das Wetter in Georgien freundlich bleibt.
- Käufer: Für kurzfristige Bedarfe bietet sich gestaffelter Spotkauf anstelle umfangreicher Terminabdeckung an, wobei etwaige Intraday-Rücksetzer infolge türkischer Verkäufe als Kaufgelegenheiten genutzt werden können. Gleichzeitig sollte eine gewisse Flexibilität gewahrt bleiben, um die Abdeckung auszuweiten, falls sich das Wetter in Georgien oder der Türkei deutlich trockener oder heißer entwickelt.
- Verkäufer / Erzeuger: Angesichts des aktuellen leichten Abwärtstrends sollten aggressive Preisnachlässe vermieden werden. Im Fokus stehen vielmehr Qualitätsdifferenzierung (große Kaliber, geringe Fehlerraten, Rückverfolgbarkeit) und die Bereitschaft, auf potenziell stärkere Nachfrage zu reagieren, sobald Klarheit über den türkischen TMO-Stützpreis besteht.
- Zu beobachtende Risikofaktoren: Hitzeperioden oder Stürme Ende Juli in Westgeorgien, mögliche negative Erntekorrekturen aus der Türkei sowie Signale einer stärkeren europäischen Industrienachfrage im Vorfeld der herbstlichen Schokoladensaison.
3‑Tage‑Regionale Preisindikation (EUR)
Richtungseinschätzung für den 22.–24. Juli 2026, basierend auf den aktuellen Fundamentaldaten und regionalen Benchmarks:
Sofern es nicht zu plötzlichen Wetter- oder Politiksprüngen kommt, dürften die Haselnusspreise in der weiteren Schwarzmeerregion in den nächsten drei Tagen in einer engen Spanne mit leicht abwärts gerichteter Tendenz handeln.