Georgische Haselnusskerne geben nach, während türkisches Angebot Aufwärtspotenzial begrenzt
Die Preise für georgische Haselnusskerne geben leicht nach, da die Ernte unter günstigen Wetterbedingungen voranschreitet, während das starke türkische Angebot das Aufwärtspotenzial Anfang September 2026 begrenzt.
Preise
Alle Preise zur Vergleichbarkeit näherungsweise in EUR/kg umgerechnet (unter Verwendung von 1 USD ≈ 0,92 EUR, wo zutreffend).
*Indikativ, abgeleitet aus den USD‑FOB‑Kernpreisen von Ende August und einer schwächeren Lira; georgische FCA‑Preise halten weiterhin einen Aufschlag von rund 1,5–2,0 EUR/kg gegenüber türkischer Standardware, im Einklang mit den Einschätzungen von Ende August.
Angebot & Nachfrage
Die georgische Haselnussernte 2025/26 wird laut aktuellen globalen Angebotsprognosen weitgehend stabil bei rund 45.000 Tonnen erwartet und macht das Land zu einem kleinen, aber relevanten Anbieter im Vergleich zur türkischen Ernte von über 500.000 Tonnen. Anfang 2026 waren die georgischen Exportpreise im Jahresvergleich deutlich gestiegen und lagen im Schnitt bei etwa 10 USD/kg (≈9,2 EUR/kg), doch die derzeitige Abschwächung zur Erntezeit spiegelt eine Normalisierung von diesen Hochständen wider.
Die Türkei hat das offizielle Erntefenster in den wichtigen hochgelegenen Schwarzmeerregionen (Giresun, Ordu, Trabzon, Samsun und Tokat) bis Ende August abgeschlossen, und die Exporte der neuen Ernte ziehen im September an. Die Exportgremien melden lebhafte Ausfuhren im August, was die gute Verfügbarkeit bestätigt. Als dominanter globaler Lieferant setzt die Türkei damit eine Obergrenze für die EUR‑Kernelpreise, insbesondere bei mittleren Kalibern, die von der Schokoladen‑ und Süßwarenindustrie in Europa eingesetzt werden.
Die in Lari und USD erfassten Inlandserzeugerpreise (farm‑gate) in Georgien liegen im September 11–12 % über dem Vorjahresniveau, haben sich zuletzt aber stabilisiert. Richtwerte liegen bei etwa 1,61 USD/kg (≈1,48 EUR/kg) in‑shell ab Hof. Das starke Exporterlöswachstum zu Beginn der Saison stützt die Erzeugermargen, auch wenn die Kernelpreise an EU‑Lieferpunkten moderat von den Hochs des Frühsommers zurückkommen.
Wetter & Kulturzustand (GE)
Das Wetter in den wichtigsten georgischen Haselnussregionen (Samegrelo–Zemo Svaneti, Guria, Imereti) ist derzeit förderlich für die laufende Ernte und die Nachtrocknung. Prognosen für das Küstengebiet Samegrelo (Raum Poti/Nosiri) für den 8.–11. September deuten auf warmes, überwiegend trockenes Wetter mit Tageshöchstwerten um 26–28 °C und geringem Niederschlagsrisiko hin.
In Guria (Raum Grigoleti) werden für die kommenden Tage Temperaturen im mittleren 20‑Grad‑Bereich (°C) mit milden Nächten und nur vereinzelten Schauern erwartet, während Imereti ähnlich warme Tage mit über 22–26 °C verzeichnet. Diese Muster begünstigen einen ungestörten Feldzugang, reduzieren das Schimmelrisiko und unterstützen die Kernelqualität. Sofern es nicht zu einem deutlich erhöhten Niederschlagsschub Ende September kommt, ist das Wetter preislich neutral bis leicht bärisch zu werten, da es einen geordneten Zufluss von Angebot ermöglicht.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Globales Gleichgewicht: Die weltweite Haselnussproduktion 2025/26 wird leicht unter dem Vorjahresniveau, aber mit über 1,0 Mio. Tonnen weiterhin reichlich erwartet, wobei Türkei, Italien, die USA und Georgien gemeinsam zu einer komfortablen Versorgung beitragen.
- Türkische Interventionspreise: Die vom Türkischen Getreideamt (TMO) für die aktuelle Vermarktungssaison bekanntgegebenen Referenzpreise stabilisieren die Einkommen der Landwirte, deuten jedoch nicht auf ein aggressives Aufbauprogramm von Lagerbeständen hin. Dies spricht für weiterhin exportorientierte Ströme und intensiven Wettbewerb auf den Kernelmärkten.
- Nachfrageseite: Die EU‑Nachfrage aus Schokoladen‑ und Süßwarenindustrie ist stabil, aber nicht dynamisch; Verarbeiter sind bis ins 4. Quartal 2026 gut gedeckt und bevorzugen kurzfristige Spotkäufe („hand‑to‑mouth“) mit Fokus auf Ursprungsarbitrage zwischen Georgien und Türkei statt Volumenausweitung.
- Handelsströme: Die jüngste Exportentwicklung zeigt, dass Georgien seine Lieferungen nach Italien, Spanien, Deutschland und Frankreich ausweitet, die Preisbildung orientiert sich jedoch weiterhin an den türkischen Benchmarks, ergänzt um einen Qualitäts‑ und Logistikaufschlag.
Handelsausblick (nächste 2–4 Wochen)
- Tendenz: Leicht bärisch bis seitwärts für georgische Kerne FCA Warschau, mit weiterem moderaten Abwärtspotenzial von 1–3 %, falls türkische FOB‑Offerten weiter nachgeben und das Wetter freundlich bleibt.
- Käufer (EU‑Röster, Chocolatiers): Käufe in den nächsten 2–3 Wochen staffeln und Kursrückgänge bei den Kalibern 11–13 mm und 15+ nutzen, dabei eine gewisse Flexibilität beim Ursprung zwischen Georgien und Türkei wahren.
- Verkäufer (georgische Verarbeiter/Exporteure): Auf Verteidigung der Aufschläge durch Qualität und verlässliche Logistik fokussieren; der Abschluss von Forward‑Kontrakten für Q1 2027 auf heutigem Niveau kann sinnvoll sein, angesichts des Risikos einer späteren saisonalen Erholung, falls sich die türkische Lieferkette verengt.
- Spekulative Marktteilnehmer: Spielraum für starke Rallyes erscheint kurzfristig begrenzt; Relative‑Value‑Strategien (GE vs TR, konventionell vs bio) wirken attraktiver als reine Long‑Positionen.
3‑Tage‑Regionale Preisindikation (EUR, Richtung)
In den kommenden drei Handelstagen (8.–10. September 2026) erwarten wir, dass sich die georgischen Kernelpreise in einer engen Spanne um die aktuellen Offerten bewegen. Zusätzliche Schwäche dürfte primär von der türkischen Exportkonkurrenz ausgehen und weniger von inländischem Wetter oder Ernteschocks.