Haselnüsse bleiben stabil, während türkischer FOB nachgibt und georgischer Aufschlag sich ausweitet
Knappe Juni‑2026‑Aktualisierung zu Haselnusspreisen: Türkische FOB‑Kerne geben nach, georgische Aufschläge in der EU bleiben angesichts knappen globalen Angebots und Qualitätsbedenken fest.
Preise & Spreads
Alle untenstehenden Preise sind ungefähre Werte und zum Vergleich in EUR/kg umgerechnet, auf Basis jüngster EUR/USD‑Kurse.
Die türkischen FOB‑Kernwerte haben sich seit Ende Mai moderat abgeschwächt und damit den Aufschlag für georgische Kerne mit Lieferung in die EU (Polen) vergrößert. Jüngste türkische Exportstatistiken zeigen einen starken Rückgang der verschifften Mengen im Jahresvergleich, jedoch deutlich höhere Stückwerte, was ein weiterhin knappes globales Gleichgewicht unterstreicht.
Angebot, Nachfrage & Handelsströme
Die Türkei bleibt der dominante globale Anbieter, doch Frost‑ und Dürreschäden 2025 haben das Angebot 2025/26 begrenzt gehalten und die durchschnittlichen Exportpreise deutlich nach oben getrieben. In den ersten Monaten 2026 gingen die türkischen Haselnussexportmengen im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel zurück, während die Erlöse dank höherer Preise und Qualitätsselektion stiegen, was die Aufschlagsstruktur entlang der Wertschöpfungskette weiter verfestigte.
Die EU‑Nachfrage ist stabil, wobei Deutschland, Italien, Frankreich und Polen weiterhin zu den wichtigsten Zielmärkten für türkische Kerne zählen, was auf eine robuste industrielle Abnahme in Süßwaren und Brotaufstrichen hinweist. Daten aus dem Außenhandel und Branchenberichte deuten darauf hin, dass der globale Markt bis 2026 strukturell knapp bleibt, bedingt durch geringere Erträge in der Türkei und anhaltende Qualitätsprobleme in einigen Kaukasus‑Herkünften, einschließlich Georgien. Infolgedessen diversifizieren Käufer zunehmend zwischen türkischen, georgischen, italienischen und chilenischen Herkünften, was den Aufschlag für hochwertige georgische Kerne in Europa stützt.
Auf der Nachfrageseite zeigen aktuelle türkische Notierungen am freien Markt (serbest piyasa), dass Erzeugerpreise im Vergleich zu historischen Niveaus weiterhin erhöht bleiben, trotz einer gewissen jüngsten Abschwächung. Dies bestätigt, dass inländische Verkäufer nicht unter Druck stehen, Bestände schnell abzubauen. Unterdessen bleiben die EU‑Vorschriften zu Lebensmittelsicherheit und Qualität streng; laufende RASFF‑Meldungen zu Grenzzurückweisungen wegen Aflatoxinen in Nüssen aus der Türkei veranlassen einige Verarbeiter dazu, für Herkünfte mit konstanterer Qualitätsperformance Aufpreise zu zahlen.
Fundamentaldaten & Wetter
Fundamentale Bilanzen für 2025/26 deuten weiterhin auf einen angespannten globalen Haselnussmarkt hin, auch wenn einige alternative Herkünfte (Italien, Chile, USA/Oregon) die türkischen Ausfälle teilweise kompensiert haben. Speziell für Georgien heben Branchenanalysen „anhaltende Qualitätsherausforderungen“ hervor, die die exportierbaren Premium‑Volumina begrenzen und die aktuellen EUR‑Spreads gegenüber türkischer Ware mit erklären.
Das Wetter in der weiteren Schwarzmeerregion, einschließlich Georgien, zeigte sich zuletzt saisonal wechselhaft mit Schauern und moderaten Temperaturen, jedoch ohne größere neue Frost‑ oder Dürresignale in den vergangenen Tagen, die das Ertragspotenzial 2026 unmittelbar gefährden würden. Die aktuelle Marktdiskussion konzentriert sich stattdessen eher auf politische und regulatorische Unsicherheit in der Türkei sowie auf Schwankungen der Exportnachfrage als auf akute Wetterschocks. Mit dem weiteren Fortschreiten des Sommers werden Händler die Niederschlagsverteilung und Hitzephasen in den georgischen Anbaugebieten genau beobachten, doch vorerst ist das Wetter eher ein Hintergrundfaktor als ein primärer Preistreiber.
Kurzfristiger Ausblick & Handelsideen
Jüngste Kommentare spezialisierter Nuss‑Handelsdienste deuten darauf hin, dass die türkische Haselnussnachfrage vorsichtiger wird; einige Käufer sind gedeckt und warten auf weitere Preiskorrekturen, insbesondere bei mittleren Qualitäten. Gleichzeitig begrenzen die globale Knappheit und hohe Preisvorstellungen der Erzeuger in der Türkei das Abwärtspotenzial und halten den Markt in einer hohen, aber volatilen Handelsspanne.
- Für EU‑Industriekäufer: Erwägen Sie, die aktuelle Schwäche bei türkischem FOB zu nutzen, um die kurzfristige Deckung – insbesondere bei Standardqualitäten – aufzustocken, während strategische Volumina aus Georgien und anderen alternativen Herkünften beibehalten werden, um Qualitäts- und Lieferkettenrisiken zu steuern.
- Für georgische Verkäufer: Der aktuelle EUR‑Aufschlag gegenüber türkischen Kernen ist durch Qualität und Diversifizierungsnachfrage weiterhin gerechtfertigt; selektive Vorwärtsverkäufe auf heutigem Niveau erscheinen sinnvoll, wobei ein Teil der Position für mögliche weitere Angebotsschocks in der Türkei offen bleiben sollte.
- Für Händler: Die sich ausweitende Spanne zwischen türkischen und georgischen Kernen eröffnet Inter‑Origin‑Arbitragemöglichkeiten, insbesondere auf Delivered‑EU‑Basis, allerdings müssen Lager- und Qualitätssicherungskosten sorgfältig gesteuert werden.
3‑Tage‑Regionale Preisindikation (EUR)
Auf Basis der aktuellen Angebote, jüngster türkischer Freimarkt‑Indikationen und kurzfristiger Nachfragesignale erwarten wir in den nächsten drei Tagen nur begrenzte Preisbewegungen:
- Georgien → EU (Polen, FCA): Premium‑Kerne (11–13 mm, 13–15 mm, 15+) voraussichtlich weitgehend stabil bei etwa 9,9–11,0 EUR/kg, wobei Bewegungen angesichts des knappen Angebots in hoher Qualität vermutlich innerhalb von ±0,1 EUR/kg bleiben.
- Türkei, Istanbul FOB: Natürliche Kerne 11–13 mm und 13–15 mm dürften seitwärts bis leicht weicher um 7,3–7,9 EUR/kg handeln, da Exporteure versuchen, die Nachfrage zu beleben, aber auf feste Erzeugerpreisuntergrenzen treffen.
- EU geliefert, Mischherkünfte: Industrielle Mischungen dürften fest bleiben, mit nur geringfügigen Abschlägen für niedrigere Qualitäten und Herkünfte mit höheren Qualitätsrisikoprofilen.