Haselnusspreise geben leicht nach, da größere türkische Ernte erwartet wird
Die Haselnusspreise in der Türkei und Georgien geben leicht nach, da eine größere türkische Ernte 2026/27 bevorsteht. Aktuelle EUR-Preisniveaus, Fundamentaldaten und 3‑Tage-Ausblick.
Prices
Die nachstehenden Preise setzen aktuelle Angebote und Markthinweise mit einem ungefähren Kurs von 1 USD = 0,93 EUR in Euro um.
Die globalen Referenz-Exportpreise für Haselnüsse aus der Türkei liegen auf Einheitswertbasis bei rund 9,4 US$/kg (≈ 8,75 €/kg) und bestätigen die Premium-Positionierung der Schwarzmeerregion im Welthandel.
Supply & Demand (TR, GE)
Die Türkei bleibt der entscheidende Treiber: Sie stellte 2024 rund 63 % der weltweiten Haselnussexporte und erzielt 2026 trotz geringerer Exportmengen weiterhin hohe Erlöse, was die robuste Preissetzungsmacht unterstreicht. Die Exporterlöse beliefen sich von Januar bis Mai 2026 auf rund 1,2 Mrd. US$, wobei die früheren Monate zwar ein Minus von 31 % beim Volumen, aber einen Anstieg des Wertes um 17 % verzeichneten – ein Hinweis auf ein knappes Angebot und höhere Preise.
Die vorausschauende Versorgungslage wird inzwischen etwas entspannter eingeschätzt. Jüngste Analysen deuten darauf hin, dass die Türkei in der kommenden Saison rund 650.000–700.000 Tonnen ernten könnte – eine deutliche Verbesserung gegenüber der witterungsbedingt schwächeren Vorjahresernte. Dies hat die Sorge vor einer extremen Verknappung gemindert und einige Verkäufer dazu veranlasst, ihre Angebote zu senken, um sich vor Eintreffen der neuen Ernte Geschäfte zu sichern.
Georgien bleibt ein deutlich kleinerer Ursprung, hat jedoch von den hohen Preisen profitiert: Von Januar bis Mai 2026 sollen die Haselnussexporte nahezu 68 Mio. US$ erlöst haben, bei einem durchschnittlichen Exportpreis nahe 10 US$/kg, womit georgische Ware weiterhin mit einem Aufschlag gegenüber türkischen Kernen gehandelt wird. Die Nachfrage europäischer Schokoladen- und Süßwarenhersteller wird als weitgehend stabil beschrieben und bietet beiden Ursprüngen eine solide industrielle Basis, ohne dass spekulative Käufe den Markt überhitzen.
Weather & Crop Outlook (TR, GE)
Im türkischen Kernanbaugebiet am Schwarzen Meer (Ordu, Giresun, Sakarya) berichten lokale Quellen und Marktexperten für Anfang Juli von normalen bis günstigen Vegetationsbedingungen. Zwar sind detaillierte tägliche Wetterberichte rar, aber in den letzten Tagen wurden keine neuen großflächigen Frost- oder Sturmschäden gemeldet – im Gegensatz zu den früheren Ereignissen, die die vorherige Ernte geschmälert hatten.
Die verbesserte Ernteerwartung von 650.000–700.000 Tonnen spiegelt überwiegend günstige Witterungsbedingungen im Frühjahr und Frühsommer wider, mit ausreichender Feuchtigkeit und moderaten Temperaturen, die den Fruchtansatz unterstützen. Für die kommenden 3–7 Tage signalisieren kurzfristige Prognosen für die östliche Schwarzmeerküste überwiegend jahreszeittypisch warme Bedingungen mit üblichen Schauern statt extremer Wetterereignisse, sodass kurzfristig nur begrenzte Wetterrisi ken für türkische Plantagen bestehen.
In den westlichen Regionen Georgiens (Samegrelo, Guria, Adscharien), wo der Großteil der Haselnüsse angebaut wird, werden die Bedingungen Anfang Juli ebenfalls als saisonal normal beschrieben; größere neue Krankheitsausbrüche oder Hagelereignisse wurden in den vergangenen Tagen nicht gemeldet. Zusammen mit der starken Exportperformance zu Beginn des Jahres 2026 deutet dies auf eine insgesamt gesunde Ernte und eine anhaltend gute Verfügbarkeit hochwertiger Kerne hin – wenn auch zu erhöhten Preisen.
Fundamentals & Trade Flows
Auf der Kostenseite sehen sich türkische Verarbeiter weiterhin hohen Inputpreisen und Inflationsdruck gegenüber, doch die jüngste Abschwächung der freien In‑Shell-Marktpreise in Teilen der Schwarzmeerregion hat den Druck auf die Kernelangebote etwas verringert. Lokale Preislisten aus den wichtigsten Anbauprovinzen zeigen, dass die Spot-Hofpreise von den Hochs zu Jahresbeginn zurückgekommen sind – im Einklang mit der verbesserten Ernteprognose.
International bleiben die Einheits-Exportpreise im Vergleich zu historischen Niveaus erhöht. Das stützt die Margen der Exporteure, begrenzt jedoch Nachfrageschübe in Randsegmenten wie Nischensnacks. Die Massennachfrage großer Süßwarenhersteller bleibt der entscheidende Stabilitätsfaktor, ohne Anzeichen einer größeren Nachfrageschwäche. Langfristig stützen strukturelle Trends wie das Wachstum bei pflanzlichen Milchalternativen und Clean-Label-Brotaufstrichen den Markt, auch wenn diese Entwicklungen gegenüber der unmittelbaren Erholung der 2026er Ernte zweitrangig sind.
Georgiens Handelsdaten unterstreichen seine Rolle als Premium-Nischenursprung. Die höheren durchschnittlichen Exportpreise im Vergleich zur Türkei spiegeln sowohl Qualitätswahrnehmungen als auch den kleineren Maßstab wider. Gleichzeitig fördern die starken Erlöse zu Beginn des Jahres 2026 weitere Investitionen in Plantagen und Nachernte-Infrastruktur, was die Konkurrenz zu türkischen Kernen in bestimmten Qualitätssegmenten nach und nach verstärken dürfte.
Trading Outlook & 3‑Day View
Trading recommendations
- Industrielle Käufer (EU-Süßwaren): Die aktuelle leichte Entspannung der türkischen FOB-Preise nutzen, um die Deckung moderat bis ins 4. Quartal 2026 zu verlängern, mit Fokus auf Standardkerne 11–13 mm und 13–15 mm, dabei jedoch Flexibilität für weitere Absicherungen wahren, falls sich die größere türkische Ernte bestätigt.
- Premium-/Bio-Segment: Bio- und georgische Kerne bleiben knapp und relativ stabil; gestaffelte Käufe in Erwägung ziehen, statt auf deutliche Preisnachlässe zu warten, da das Angebot weniger elastisch ist und die Nachfrage robust bleibt.
- Erzeuger & Exporteure (TR, GE): Angesichts der Erwartung einer größeren türkischen Ernte, die auf die Forward-Stimmung drückt, sollten Angebotsniveaus bei Bedarf angepasst werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, während nach Möglichkeit Mindestpreiskonstruktionen zur Absicherung der Unterseite genutzt werden.
3‑day regional price indication (directional)
- Turkey (TR) – FOB Istanbul/Izmir kernels: Seitwärts bis leicht weicher in den nächsten drei Tagen, da Käufer vor klareren Schätzungen zur neuen Ernte niedrigere Gebote testen.
- Georgia (GE) – kernels ex‑Georgia (FCA PL hubs): Überwiegend seitwärts mit nur geringem Abwärtsdruck; begrenzte Spot-Liquidität und die starke Exportperformance zu Jahresbeginn sollten die Aufschläge stützen.
- In‑Shell in den türkischen Schwarzmeer-Binnenmärkten: Stabil bis leicht schwächer, was auf eine komfortable kurzfristige Versorgungslage und das Ausbleiben positiver Wetterschocks hinweist.