Türkische Haselnusspreise geben nach – große Ernte 2026/27 wirft ihren Schatten voraus
Türkische Haselnusspreise geben Ende Juni 2026 nach – getrieben von höheren Ernteerwartungen und schwacher Nachfrage. Überblick über FOB‑TR‑Preisniveaus, Wetter und kurzfristigen Ausblick.
Preise
FOB‑Istanbul‑Preise für konventionelle Kerne (umgerechnet von USD in EUR zu ~0,93) zeigen bis zum 29. Juni 2026 eine klar nachgebende Tendenz:
Bio‑Kerne FOB İzmir liegen weiterhin deutlich höher, grob im Bereich von 16.9–21.1 EUR/kg – je nach Siebgröße und Verarbeitung – und waren seit dem 26. Juni 2026 weitgehend stabil.
Angebot & Nachfrage
Aktuelle Branchenschätzungen sehen die türkische Haselnussernte 2026/27 bei rund 810.000 Tonnen, etwa 56% über 2025/26. Das signalisiert eine kräftige Erholung und ein reichliches Exportangebot, sofern sich diese Prognose realisiert. Exportstatistiken zeigen, dass die Türkei in den ersten vier bis fünf Monaten 2026 mit Haselnüssen Exporteinnahmen von nahezu 1,0–1,2 Mrd. USD erzielte, obwohl die ausgeführten Volumina im Jahresvergleich um mehr als 30% zurückgingen. Das unterstreicht, dass hohe Stückpreise – nicht starke Mengennachfrage – die Erlöse stützten.
Früher in der Saison wiesen Analysten darauf hin, dass das Verhältnis von Exporten zu verfügbarer Angebotsmenge deutlich unter den Fünfjahresdurchschnitt gefallen ist – ein weiteres Indiz für strukturell schwächere Nachfrage auf erhöhten Preisniveaus. Da Süßwaren‑ und Ingredient‑Käufer ihre kurzfristigen Bedarfe weitgehend gedeckt haben, ist die aktuelle Spotaktivität selektiv. Die gesamten Exporte der Türkei gingen im Mai 2026 zurück – ein Hinweis auf ein weicheres außenwirtschaftliches Umfeld, das auch die zusätzliche Haselnussnachfrage begrenzt.
Wetter & Pflanzenzustand (TR)
Im Kerngebiet des türkischen Haselnussgürtels rund um Ordu und Giresun ist das Wetter Ende Juni saisonal mild und stabil. Stündliche und tägliche Prognosen türkischer und internationaler Wetterdienste für den Zeitraum 29. Juni–2. Juli zeigen Tageshöchstwerte an der Küste um 27–28°C mit moderater Luftfeuchtigkeit, begrenzter konvektiver Niederschlagsaktivität und ohne Anzeichen für verbreiteten Frost oder extreme Hitze.
Für dieses Vorernte‑Zeitfenster sind solche Bedingungen insgesamt neutral bis leicht positiv für die Nussausbildung und Kernelqualität und rechtfertigen derzeit keine Wetterprämie in den Preisen. Die Hauptgefahren sind nun lokal begrenzte Gewitter und potenzieller Krankheitsdruck, doch ein größeres, marktbewegendes Wetterereignis zeichnet sich kurzfristig nicht ab.
Fundamentaldaten & Externe Signale
- Globaler Kontext: Frühere Berichte verwiesen auf eine historische Korrektur vom Hoch im Jahr 2025. Die Preise für türkische Kerne hatten sich bis Ende April 2026 nahezu halbiert und sind anschließend bis in den Juni hinein weiter unter Druck geraten – bedingt durch schwache Nachfrage und gestiegene Ernteerwartungen.
- Politischer Rahmen: Die Eingriffe und Stützpreise des Türkischen Getreideamtes (TMO) bilden weiterhin eine Preisuntergrenze für Erzeuger und tragen dazu bei, dass die Preise für verarbeitete Haselnüsse relativ hoch bleiben – verglichen mit dem Niveau, auf dem sich ein freier Markt ansonsten einpendeln könnte.
- Bestimmungsmärkte: Verbraucherpreise in wichtigen EU‑Zielmärkten (z.B. Deutschland) liegen weiterhin deutlich über türkischen Exportangeboten. Das zeigt, dass Handel und Verarbeiter ein weiteres Nachgeben der Ursprungspreise zumindest teilweise über ihre Margen abfedern können, ohne sofortige Preissenkungen für Endkunden vorzunehmen.
Kurzfristiger Ausblick & Trading‑Ideen
- Richtung (nächste 1–2 Wochen): Der Bias bleibt leicht bärisch bis seitwärts für konventionelle türkische Kerne, da der Markt eine größere Ernte einpreist und starke Impulse von der Spotnachfrage fehlen.
- Für Käufer: Bevorzugt wird ein schrittweiser Aufbau der Deckung auf Standardsieben (11–13 mm, 13–15 mm) statt aggressiver Vorabdeckungen. Es kann sinnvoll sein, einen Teil des Bedarfs für Q4–Q1 abzusichern, falls EUR‑basierte Angebote nochmals um 2–3% nachgeben – insbesondere bei höherwertigen gerösteten und gewürfelten Qualitäten.
- Für Verkäufer/Ursprung: Angesichts des schwereren Vorlaufangebots dürfte es nötig sein, bei der Preisdisziplin oberhalb der politischen Mindestpreise flexible Zahlungsbedingungen und Qualitätsprämien anzubieten, insbesondere für chargenreine, fehlerarme und rückverfolgbare Partien.
- Bio‑Segment: Die Prämien sind hoch, aber relativ stabil; Bio‑Verkäufer können geduldig agieren, während Käufer eher über Logistik‑ und Zertifizierungsleistungen verhandeln sollten, statt kurzfristig mit deutlichen Preisnachlässen zu rechnen.
3‑Tage‑Regionale Preisindikation (Tendenz, EUR, TR FOB)
- Istanbul FOB konventionelle Kerne: Leicht abwärtsgerichtete Tendenz (0–1% niedriger) in den kommenden drei Tagen, da Verkäufer die Nachfrage mit etwas weicheren Angeboten testen.
- İzmir FOB Bio‑Kerne: Weitgehend stabil; die Prämien gegenüber konventioneller Ware dürften auf dem aktuell hohen Niveau bleiben.
- Verarbeitete Formen (geröstet, gewürfelt, Mehl): Mäßiger Druck, insbesondere bei gewürfelter Ware, aber ohne starke Bewegungen, solange kein plötzlicher Umschwung in der Exportnachfrage einsetzt.