Mandelmarkt findet neuen Schwung, da australische Exporte nach China stark zulegen
Australische Mandelexporte ziehen mit starker chinesischer Nachfrage deutlich an, während die Preise in der EU fest bleiben. Ausblick vorsichtig bullisch mit regionalen Nachfrageschüben.
Preise
Umgerechnete Spotangebote für Mandelkerne in EUR deuten auf einen festen, seitwärts tendierenden Markt hin. US-Nonpareil-Bio-Mandelkerne im Raum Washington D.C. liegen bei rund 8,50–8,60 EUR/kg FOB-Äquivalent, während Standardqualitäten US Carmel SSR eher bei 6,10–6,20 EUR/kg FAS gehandelt werden. Spanische Marcona-Mandelkerne in Madrid bewegen sich – je nach Größe und Qualität – um 6,00–8,00 EUR/kg FOB, während Guara- und Valencia-Typen überwiegend zwischen 5,10 und 6,70 EUR/kg liegen.
In den vergangenen drei Wochen waren die Notierungen sowohl für US- als auch für spanische Herkünfte bemerkenswert stabil, mit nur marginalen Anpassungen von wenigen Euro-Cent pro Kilo. Diese Stabilität – trotz stärkerer australischer Verschiffungsdaten – legt nahe, dass das umfangreiche globale Angebot aus Kalifornien und Europa die stärkere Nachfrage aus Asien-Pazifik derzeit weitgehend auffängt und kurzfristig Aufwärtspotenzial begrenzt.
Angebot & Nachfrage
Die australischen Mandelverschiffungen haben sich im April nach einem langsamen Start in die neue Verkaufssaison deutlich erholt. Die Branchenverschiffungen lagen 11 % über dem Rekord-Aprilvolumen der Vorsaison, womit die Gesamtbewegung in den ersten zwei Monaten der Saison nur noch 2,9 % unter dem Vorjahresniveau liegt. Die Exporte stiegen im April im Jahresvergleich um 13 %, während der Inlandsabsatz um 4 % zunahm – ein Signal für eine breit abgestützte Nachfragestabilität.
China ist der wichtigste Nachfrage-Treiber: Die April-Verschiffungen legten im Jahresvergleich um 42 % zu und liegen in den ersten zwei Monaten der Saison 33 % über dem Vorjahr. Besonders gut entwickelten sich die Exporte von Mandeln in Schale, die trotz schwieriger Erntebedingungen um 30 % gegenüber dem Vorjahr anstiegen. Demgegenüber brachen die Lieferungen in den Nahen Osten um 85 % ein; diese Lücke wurde jedoch weitgehend durch stärkere Käufe im Asien-Pazifik-Raum aufgenommen, wobei Vietnam, Indonesien, Thailand und Neuseeland allesamt höhere Volumina als vor einem Jahr abnahmen.
Vor diesem Hintergrund steht Kalifornien – nach wie vor der dominierende globale Anbieter – vor einer etwas kleineren Ernte 2026, was das Abwärtsrisiko für die Preise im neuen Vermarktungsjahr begrenzen könnte. Gleichzeitig bleibt die Währung Australiens ein entscheidender Faktor: Schwankungen im AUD/USD-Wechselkurs beeinflussen die Exportwettbewerbsfähigkeit und die Erzeugererlöse direkt, insbesondere in preissensiblen asiatischen Märkten.
Fundamentaldaten & Wetter
Die Kombination aus rekordhohen australischen April-Exporten und robusten chinesischen Käufen deutet in den kommenden Monaten auf eine Verknappung bei hochwertigen Mandeln in Schale und Premium-Kernen aus Australien hin. Die stärkere Nachfrage in Südostasien und Neuseeland verschiebt das regionale Gleichgewicht weiter in Richtung Asien-Pazifik, während der starke Rückgang der Abnahmen im Nahen Osten anhaltende geopolitische und makroökonomische Unsicherheiten in dieser Region verdeutlicht.
Wetterrisiken für die Ernte auf der Südhalbkugel liegen nun weitgehend hinter dem Markt, doch die jüngst herausfordernden Erntebedingungen in Australien unterstreichen die zugrunde liegende Verwundbarkeit. Für die Nordhalbkugel richtet sich der Fokus auf Kaliforniens Sommerhitze und die Wasserverfügbarkeit während der Nussfüllung; frühe Hinweise deuten bislang auf keine akuten Stressereignisse hin, aber jede extreme Hitze oder Einschränkungen bei der Bewässerung im Juli–August würden sich rasch in Qualitäts- und Ertragsrisiken niederschlagen.
Auf der Nachfrageseite profitiert der Nusskonsum weiterhin vom Trend zu gesundem Snacking, wenngleich preissensible Verbraucher in einigen Schwellenländern auf günstigere Nüsse oder Mischprodukte ausweichen. Dennoch deutet der jüngste Wiederanstieg der australischen Exporte nach China und in den Asien-Pazifik-Raum darauf hin, dass die industrielle Nachfrage – insbesondere aus der Süßwaren- und Backwarenindustrie – stabil bleibt.
3–6-Monats-Ausblick & Handelsstrategie
Insgesamt präsentiert sich der Mandelmarkt mit einem leicht konstruktiven Bild in Richtung 3. Quartal: Die Stärke der australischen Verschiffungen und eine etwas kleinere Ernte in Kalifornien werden durch komfortable globale Lagerbestände ausgeglichen. Wechselkursdynamik und Chinas anhaltender Appetit auf Mandeln in Schale dürften darüber entscheiden, ob die Preise aus den aktuellen Spannen spürbar nach oben ausbrechen können.
- Importeure im Asien-Pazifik-Raum: Erwägen Sie, jetzt einen höheren Anteil des Bedarfs für Q3–Q4 zu decken, insbesondere bei australischen Mandeln in Schale und Premium-Kernen, angesichts des starken chinesischen Wettbewerbs und des begrenzten Abwärtspotenzials von den aktuellen EUR-Preisniveaus.
- Europäische Käufer: Fahren Sie eine gestaffelte Einkaufsstrategie; die aktuellen spanischen und US-Angebote in EUR wirken fair, gleichzeitig sollte eine Überdeckung vermieden werden, bis klarere Signale zu Ertrag und Sommerwetter in Kalifornien vorliegen.
- Erzeuger & Exporteure (Australien): Nutzen Sie die jüngste Preisstabilität, um Vorverkäufe abzusichern, wo eine Aufwertung des AUD die Margen schmälern könnte; beobachten Sie AUD/USD sowie den Auf- bzw. Abschlag gegenüber kalifornischen Angeboten nach China und Südostasien genau.
Kurzfristiger (3‑Tage) Richtungs-Ausblick
- US-Mandelkerne (Carmel, Nonpareil, EUR-Basis): Seitwärts bis leicht fester, mit selektivem Käuferinteresse, aber ohne hektische Deckung.
- Spanische Mandelkerne (Marcona, Guara, Valencia): Überwiegend stabil; leichter Aufwärtsdruck bei Spezialitäten aufgrund begrenzter Spot-Verfügbarkeit.
- Australische Exportparität (nach Asien bestimmte Mandeln in Schale): Fester Grundton, gestützt durch starke Nachfrage aus China und Südostasien, jedoch ohne unmittelbare, starke Preissprünge.