Zum Hauptinhalt springen
CMB Emblem
Deutsche Futtergerstenpreise geben bei schwächerer Futternachfrage leicht nach

Deutsche Futtergerstenpreise geben bei schwächerer Futternachfrage leicht nach

CMB
CMB News Redaktion
Editorial Desk

Die Preise für deutsche Futtergerste geben im September 2026 leicht nach, bleiben jedoch durch ein knappes heimisches Angebot, feste EU-Referenzpreise und Export­risiken im Schwarzmeerraum gestützt.

Die Preise für deutsche Futtergerste an den nördlichen Kassamärkten geben leicht nach, bleiben jedoch durch knappe regionale Getreidebilanzen und feste EU-Referenzpreise gestützt. Ein moderater Rückgang der lokalen Gebote bietet den Mischfutterherstellern etwas Entlastung, doch die begrenzte Getreideproduktion 2026 und anhaltende Störungen im Schwarzmeerraum begrenzen das Abwärtspotenzial für das vierte Quartal. In ganz Deutschland deuten die Marktdaten von Anfang September auf eine durch sommerliche Hitze und Trockenheit verringerte Ernte mit insgesamt akzeptabler Qualität hin, während die Futternachfrage weiterhin mit erhöhten Getreidekosten konfrontiert ist. Offizielle Prognosen und Handelsschätzungen bestätigen eine strukturell knappere Getreidebilanz, auch wenn sich die EU-Notierungen für Futtergerste zuletzt knapp unter den Sommerhochs stabilisiert haben. Kurzfristig belasten eine schwächere Viehnachfrage und eine gute Verfügbarkeit auf den Höfen in einigen Regionen die Kassapreise, doch die gesamteuropäische Angebotslage und der fragile Exportkorridor der Ukraine halten die Risikoprämien in der Terminkurve aufrecht. Das Wetter der kommenden Tage wirkt neutral und dürfte die fundamentale Situation weder verschärfen noch entspannen.

Preise

In Drentwede (EXW, Futtergerste) sind die Kassa­preise von etwa EUR 0,229/kg Anfang September auf rund EUR 0,220/kg am 15. September gefallen, ein Rückgang von etwas mehr als 4 % innerhalb von zwei Wochen. Damit liegen die lokalen Preise weiterhin weitgehend auf dem Niveau der deutschen nationalen Indikationen für Futtergerste von rund EUR 190–195/t für Lieferungen Anfang September, wie sie für wichtige Handelsplätze wie München und Würzburg gemeldet wurden.

Auf EU-Referenzebene wurde deutsche Futtergerste in München am 6. September mit etwa EUR 195/t notiert, rund 6 % höher als im Frühsommer, während die Preise in Würzburg Mitte September bei etwa EUR 182,5/t lagen. Dies spiegelt eine gewisse regionale Entspannung nach dem Erntehöhepunkt wider. Insgesamt ist der Markt von einer sommerlichen Rally in eine leichte Korrektur übergegangen. Die aktuellen Kassapreise sind historisch weiterhin fest, steigen jedoch nicht mehr deutlich weiter.

Markt Qualität / Termin Letzter Preis (EUR/t) Veränderung in 1–2 Wochen Kommentar
DE Drentwede Futtergerste, EXW ≈220 ▼ ~4% Verkäufe der Landwirte treffen auf vorsichtige Nachfrage der Mischfutterhersteller
DE Würzburg Futtergerste, regionale Referenz ≈182.5 ▼ gegenüber Anfang September Preise geben nach der Ernte nach, bleiben im Jahresvergleich jedoch fest
DE München Futtergerste, regionale Referenz ≈195.0 ▲ gegenüber dem Frühsommer Die Stärke des EU-Getreidemarktes setzt den Geboten eine Untergrenze
Die vollständige Tabelle mit aktuellen Preisen und Trends findest du auf CMBroker.Charts öffnen →

Angebot & Nachfrage

Der deutsche Erntebericht des Bundes für 2026 bestätigt eine gegenüber dem Vorjahr um etwa 7 % geringere Getreideernte. Ursache waren ein trockener Frühling und ein heißer Sommer, die die Erträge bei Getreide insgesamt reduzierten. Regionale Einschätzungen, etwa aus Nordrhein-Westfalen, beschreiben eine solide, aber wetterbedingt belastete Getreideproduktion mit überwiegend akzeptabler Qualität und lokal begrenzten Ertragseinbußen. Dieses Muster dürfte sich auch auf die Gerste in den nördlichen Regionen übertragen.

Die knappere heimische Bilanz wird teilweise durch ein reichliches Gerstenangebot aus der Ukraine und dem weiteren Schwarzmeerraum ausgeglichen, wo die Exportangebote trotz logistischer und geopolitischer Risiken in Euro weiterhin wettbewerbsfähig sind. Störungen der Handelsströme und höhere Risikoprämien für Transporte aus dem Schwarzmeerraum begrenzen jedoch Arbitragemöglichkeiten und verhindern, dass die deutschen Preise die externe Schwäche vollständig widerspiegeln. Unterdessen wird erwartet, dass die EU-Gersteexporte 2026/27 vergleichsweise robust bleiben. Dies stützt die gesamteuropäische Nachfrage nach Futtergerste trotz einer gewissen Abschwächung des weltweiten Handels mit Futtergetreide.

Auf der Nachfrageseite profitieren deutsche Viehhalter und Mischfutterhersteller von leicht niedrigeren Kassapreisen, bleiben bei der Terminabsicherung angesichts unsicherer Margen und politischer Debatten über die Tierbestände jedoch vorsichtig. Der aktuelle leichte Rückgang der Gerstenpreise wird zudem durch die Substitution mit Mais und Weizen in den Rationen beeinflusst, sofern diese verfügbar sind. Regionale offizielle Preislisten weisen Gerste jedoch weiterhin mit einem moderaten Abschlag gegenüber Weizen aus, was ihren Einsatz in Futtermischungen unterstützt.

Wetter & Erntebedingungen (Fokus Deutschland)

Die aktuellen Wetterlagen in Deutschland sind saisonal mild. Die Prognosen für die kommende Woche zeigen in vielen nördlichen und zentralen Regionen eine Mischung aus Bewölkung, vereinzelten Schauern und nahezu normalen Temperaturen. Dies deutet auf insgesamt stabile Bedingungen nach der Ernte für gelagerte Gerste hin, mit nur begrenztem unmittelbarem Risiko einer Qualitätsverschlechterung durch übermäßige Feuchtigkeit. Lokale Schauer können die Abläufe auf den Höfen vorübergehend verlangsamen, dürften das Angebotsbild für 2026 jedoch nicht wesentlich verändern.

Mit Blick auf Ende September deuten die Prognosen weder auf größere Hitzewellen noch auf lang anhaltende Starkregenereignisse in den wichtigsten Getreideanbaugebieten hin. Damit ist der Ausblick für die Feldarbeiten im Herbst und die Lagerverwaltung von Gerste relativ günstig. Das Wetter ist daher ein neutraler Faktor für die kurzfristige Preisentwicklung: Es bringt weder ein neues Aufwärtsrisiko noch einen erheblichen Abwärtsimpuls durch eine bessere Verfügbarkeit.

Fundamentaldaten & Markttreiber

  • Knappere deutsche Getreideernte 2026: Eine nationale Getreideernte, die rund 7 % unter dem Vorjahresniveau liegt, verknappt die heimischen Futterbilanzen und begrenzt das Ausmaß möglicher Preisrückgänge nach dem Erntehöhepunkt.
  • EU-Preisstruktur: Die Daten des EU-Getreidemarktes zeigen Anfang September nur moderat schwächere Gerstenpreise. Die Getreidepreise insgesamt entwickeln sich uneinheitlich und nicht deutlich schwächer, was eher auf eine Konsolidierung als auf einen Markteinbruch hindeutet.
  • Handelsrisiken im Schwarzmeerraum: Anhaltende Störungen und Sicherheitsprämien auf ukrainischen Exportwegen begrenzen das Abwärtspotenzial für EU- und deutsche Gerste, obwohl ukrainische Angebote theoretisch wettbewerbsfähig sind.
  • Vieh- und Futternachfrage: Futternutzer profitieren zwar von einer gewissen Kostenentlastung, doch unsichere Margen im Viehsektor und die Substitution zwischen Getreidearten führen zu kurzfristigen Käufen und tragen zum zuletzt schwächeren Ton bei den Kassapreisen bei.

Handelsausblick & 3-Tage-Prognose (Deutschland)

  • Für Landwirte: Kurzfristig dürfte EXW-Futtergerste in Norddeutschland in einer engen Spanne um EUR 215–225/t seitwärts handeln. Erwägen Sie schrittweise Verkäufe bei lokaler Preisstärke, vermeiden Sie jedoch umfangreiche Vorverkäufe, solange die Weizen- und Maismärkte nicht ebenfalls nachgeben.
  • Für Futtermittelkäufer: Nutzen Sie die aktuelle Schwächephase, um die Deckung bis Ende September und Anfang Oktober moderat auszuweiten, insbesondere dort, wo Gerste weiterhin einen klaren Abschlag gegenüber Weizen aufweist. Bewahren Sie Flexibilität, um bei veränderten Relativpreisen zwischen den Getreidearten zu wechseln.
  • Für Händler: Die Basispreise im deutschen Binnenland dürften gegenüber den internationalen Referenzmärkten fest bleiben, was das knappe Angebot und die logistischen Einschränkungen widerspiegelt. Beobachten Sie Meldungen zum Schwarzmeerkorridor aufmerksam, da sich die Risikoprämien plötzlich verändern können.

In den kommenden drei Handelstagen dürften die Preise für Futtergerste in Deutschland weitgehend stabil bis leicht schwächer bleiben. Unter der Annahme, dass keine größeren geopolitischen oder makroökonomischen Schocks eintreten, sollten die regionalen EXW-Gebote in den nördlichen Märkten innerhalb einer Spanne von etwa EUR 2–3/t um das aktuelle Niveau schwanken.

BASIC
Live-Chart
Den interaktiven Chart findest du auf CMBroker.
Charts öffnen →
PREMIUM
KI-Agent
Was treibt aktuell die Chilli-Prämie?
Knappe Guntur-Bestände, feste EU-Exportnachfrage und geringere Andhra-Anlieferungen — volle Analyse in deinem Dashboard.
Frag die CMB-KI zu Preisen, Marktreibern und Handelsströmen — trainiert auf den Daten unserer Redaktion.
KI-Agent öffnen →