Deutsche Futtergerstenpreise geben leicht nach, während das Schwarzmeer-Risiko eine Untergrenze stützt
Deutsche und ukrainische Futtergerstenpreise stabil bis leicht schwächer. EU-Exporte fast 40 % niedriger, Risiken im Schwarzmeerraum stützen die Untergrenze. Kurzfristiger Ausblick für Deutschland.
Preise
Deutsche Futtergerste (EXW Drentwede, Futterqualität, maximal 14 % Feuchtigkeit) wurde zuletzt am 17. September zu 0.227 EUR/kg EXW gehandelt, leicht über dem Niveau zur Monatsmitte und weiterhin mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber ukrainischen Herkünften.
Ukrainisches Gerstensaatgut für Futterzwecke (maximal 14 % Feuchtigkeit, 98 % Reinheit) wird mit 0.150 EUR/kg FCA Kiew und 0.160 EUR/kg FCA Odesa angegeben. Gerste für Rinderfutter aus Odesa liegt bei 0.140 EUR/kg FOB, gegenüber dem Monatsbeginn niedriger, was den Exportdruck am Schwarzen Meer unterstreicht.
| Herkunft | Standort | Spezifikation | Lieferbedingung | Aktueller Preis (EUR/kg) |
|---|---|---|---|---|
| DE | Drentwede | Futterqualität, maximal 14 % Feuchtigkeit | EXW | 0.227 |
| UA | Kiew | Futterqualität, maximal 14 % Feuchtigkeit, 98 % Reinheit | FCA | 0.150 |
| UA | Odesa | Futterqualität, maximal 14 % Feuchtigkeit, 98 % Reinheit | FCA | 0.160 |
| UA | Odesa | Gerste für Rinderfutter | FOB | 0.140 |
Angebot & Nachfrage
Die Gerstenausfuhren der EU liegen zu Beginn der Saison 2026/27 deutlich niedriger: Für den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 13. September werden etwa 1.7 Millionen Tonnen gemeldet, fast 40 % weniger als im Vorjahr. Dies spiegelt eine schwächere Nachfrage aus Drittländern und starken Wettbewerb durch andere Herkünfte wider. Dadurch sinkt der Exportimpuls für deutsche Futtergerste, während die Inlandsverfügbarkeit komfortabel bleibt.
In der Ukraine haben Schäden an der Infrastruktur der Schwarzmeerhäfen und die vorsichtige Haltung der Reeder die Seetransporte von Getreide eingeschränkt, wodurch mehr Ware auf die Schiene und die Donau-Routen verlagert wird. Die Gerstenausfuhren im August und Anfang September liegen deutlich hinter der Vorsaison zurück. Dies deutet auf wachsende Bestände auf den Höfen und im Binnenland hin und erklärt die wettbewerbsfähigen FOB-Notierungen für Odesa.
Die deutsche Inlandsnachfrage nach Futter bleibt relativ fest, da Viehhalter sich gegen eine unsichere Verfügbarkeit von Mais und Weizen sowie höhere Importkosten absichern. Dies bildet eine Nachfrageuntergrenze für Gerste. Aktuelle europäische Einschätzungen weisen zudem auf knappere interne Getreidebilanzen und geringere Getreideimporte im ersten Halbjahr 2026 hin, was die Rolle der Gerste in Futterrationen stützt.
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Wetter & Logistik (Fokus DE)
Da die deutsche Gerstenernte weitgehend abgeschlossen ist, hat das kurzfristige Wetter nur begrenzte direkte Auswirkungen auf die Erträge, bleibt jedoch für Logistik und Getreidequalität während der Lagerung relevant. Die Prognosen für den 19. September zeigen eine Teilung zwischen Norden und Süden: kühlere, wolkigere und feuchtere Bedingungen in Norddeutschland und den Küstengebieten mit Schauern und auffrischendem Wind, während die südlichen und östlichen Regionen mehr Sonnenschein und spätsommerliche Temperaturen erwarten.
In den nördlichen Futtergerstenregionen wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein könnte zeitweiliger Regen die Verladung ab Hof und Trocknungsaktivitäten kurzzeitig verlangsamen. Angesichts der Tatsache, dass sich der Großteil der Gerste bereits im Lager befindet, sind jedoch keine nennenswerten Qualitätsverluste zu erwarten. Daher dürfte das Wetter in den kommenden drei Tagen kein Haupttreiber der Preisvolatilität sein; Frachtkosten und Exportlogistik an den Ostsee- und Nordseehäfen werden wichtiger sein.
Fundamentaldaten & Markttreiber
- Verlangsamte EU-Exporte: Der Rückgang der EU-Gerstenausfuhren zu Saisonbeginn um nahezu 40 % begrenzt das Aufwärtspotenzial für deutsche Preise, da inländische Bestände weniger stark zu den Häfen abfließen.
- Störungen im Schwarzmeerraum: Die ukrainischen Gerstenausfuhren sind aufgrund von Angriffen auf Häfen und gestiegener Risiken im Schwarzen Meer zurückgegangen. Dadurch werden größere Mengen auf Landrouten verlagert, was die FOB- und Inlandspreise in der Ukraine unter Druck setzt.
- Wettbewerb durch Futtergetreide: Höhere Preise und eine knappere Verfügbarkeit alternativer Futtergetreide in Teilen der EU stützen den Einsatz von Gerste in Rationen und untermauern die deutsche Nachfrage trotz schwächerer Exportströme.
- Eingelagerte Ernte & Verkäufe der Landwirte: In Deutschland zeigen die Landwirte nach Abschluss der Ernte und bei knapper werdender Lagerkapazität ein selektives Verkaufsverhalten. Dies begrenzt Preisrückgänge, deckelt jedoch auch Anstiege, da gewerbliche Käufer eine ausreichende kurzfristige Deckung melden.
Handelsausblick (nächste 3–5 Tage)
- Deutsche Inlandsabnehmer: Eine schrittweise Deckung statt aggressiver Terminkäufe in Betracht ziehen. Das komfortable Angebot und der schwache Exportimpuls sprechen kurzfristig für ein begrenztes Aufwärtsrisiko, während die Risiken im Schwarzmeerraum gegen eine vollständige Nichtdeckung sprechen.
- Deutsche Landwirte/Verkäufer: Da die EXW-Preise einen deutlichen Aufschlag gegenüber ukrainischen Angeboten halten, könnten zusätzliche Verkäufe bei kleineren Erholungen sinnvoll sein, insbesondere bei knapper Lagerkapazität. Das Zurückhalten eines Teils der Ware bis zum vierten Quartal könnte sich jedoch auszahlen, falls sich die Störungen im Schwarzmeerraum verschärfen.
- Importeure in der EU & MENA: Die ukrainischen FOB-Niveaus in Odesa bleiben im Vergleich zu deutschen EXW-Preisen attraktiv. Sofern Fracht- und Versicherungskosten dies zulassen, könnten kurzfristige Ausschreibungen die aktuellen Abschläge nutzen; angesichts der instabilen Schwarzmeerlogistik ist jedoch ein sorgfältiges Risikomanagement unerlässlich.
3-Tage-Richtungsausblick für die Preise (Region: DE)
- Deutschland, EXW-nördliche Regionen (z. B. Drentwede): Seitwärts bis leicht schwächere Tendenz um 0.227 EUR/kg EXW. Es werden enge Intraday-Bewegungen erwartet, da die Exportnachfrage gedämpft bleibt und die Inlandsverbraucher ausreichend gedeckt sind.
- Relatives Verhältnis Schwarzmeerraum vs. Deutschland: Ukrainische FCA-/FOB-Gerste dürfte voraussichtlich mit einem deutlichen Abschlag gegenüber deutscher EXW-Ware gehandelt werden, sofern es nicht zu einer plötzlichen Verschärfung der Hafenstörungen oder einer starken Veränderung der EU-Exportnachfrage kommt.