Haselnüsse korrigieren nach unten, da türkischer Mindestpreis auf neu austarierte Nachfrage trifft
Update zum Haselnussmarkt: türkischer Mindestpreis 2026/27, Erholung der Ernte, Exportverlangsamung und was die aktuellen EUR‑Preise für Käufer und Verkäufer bedeuten.
Preise
Der Referenzpreis für türkische Haselnüsse der Größe 11/13 mm ist von einem Höchststand von rund 1.790 US$/100 kg im September 2025 auf etwa 850 US$ bis zum 3. August 2026 gefallen – mehr als eine Halbierung, liegt jedoch weiterhin über der Bandbreite von 550–780 US$/100 kg, die zwischen 2017 und 2023 üblich war. In EUR gerechnet deutet dies auf indikative Spotniveaus leicht über 8 EUR/kg für gängige türkische naturbelassene Kerne FOB hin, im Einklang mit jüngsten Handelsindikationen.
Aktuelle Angebote bestätigen diese weichere, aber erhöhte Struktur: nicht‑biologische türkische naturbelassene Kerne 11–13 mm liegen bei rund 7,5 EUR/kg FOB Istanbul und 13–15 mm bei rund 8,0 EUR/kg. Biologische türkische Kerne handeln deutlich höher, mit 11–13 mm nahe 19,4 EUR/kg und 13–15 mm etwa 18,3 EUR/kg FOB Izmir, während verarbeitete Bio‑Produkte (blanchiert, geröstet, gehackt) oberhalb von 22 EUR/kg notieren. Insgesamt zeigen weitgehend unveränderte Woche‑zu‑Woche‑Bewegungen, dass ein Großteil der Anpassung an den neuen türkischen Mindestpreis bereits eingepreist ist.
Angebot & Nachfrage
Das türkische Getreideamt hat den Ankaufmindestpreis für Haselnüsse 2026/27 auf 250 TRY/kg festgesetzt, nach 195 TRY/kg im Vorjahr. Trotz des Anstiegs um 28 % in Lira bedeutet die Lira‑Abwertung, dass dies nur rund 5,25 US$/kg entspricht – der geringste Dollar‑Zuwachs im Jahresvergleich der vergangenen vier Kampagnen – und den Aufwärtsschock für Exportpreise begrenzt.
Auf der Angebotsseite wird die türkische Ernte 2026/27 in Schale von internationalen Branchenverbänden auf etwa 810.000 Tonnen geschätzt, während inländische Schätzungen näher bei 700.000 Tonnen liegen. Beides deutet auf eine solide Erholung von der rund 518.000‑Tonnen‑Ernte 2025/26 hin, jedoch nicht auf einen außergewöhnlichen Überschuss. Diese Erholung, zusammen mit besseren Ernten auf dem amerikanischen Kontinent und in Zentralasien, führt den globalen Markt von akuter Knappheit hin zu einer ausgewogeneren Lage.
Die Nachfrage bleibt strukturell robust, wurde aber durch den vorherigen Preissprung gedämpft. Türkische Exporte von geschälten Kernen gingen zwischen September 2025 und Juli 2026 im Jahresvergleich um 37 % auf etwa 186.400 Tonnen zurück, da höhere Preise die Nachfrage rationierten und Substitution förderten. Käufer haben auf alternative Ursprünge umgestellt und stützen sich stärker auf kurzfristige Spot‑ oder nahe liegende Kontrakte statt auf umfangreiche Forward‑Engagements – ein Zeichen anhaltender Vorsicht angesichts der Volatilität türkischer Preise und Politik.
Fundamentaldaten & Erzeugerökonomie
Der neue Mindestpreis verbessert die in Lira ausgedrückten Erlöse türkischer Erzeuger deutlich und unterstützt Obstgartenpflege und Neupflanzungen nach einer volatilen Phase. Der relativ moderate Anstieg in Dollar, kombiniert mit der starken Korrektur von den letztjährigen Spitzenpreisen für Kerne, verringert jedoch das Risiko einer weiteren nachfragezerstörenden Rally, die von spekulativen Erwartungen getrieben wird.
Aus Sicht internationaler Käufer liegen die aktuellen Kernelpreise nicht mehr auf Krisenniveau, bleiben jedoch historisch erhöht, insbesondere für Bio‑ und höher veredelte Produkte. Der frühere Preissprung hat das Beschaffungsverhalten strukturell verändert: Süßwaren‑ und Schokoladenhersteller haben Rezepturoptimierungen und die teilweise Substitution mit anderen Nüssen beschleunigt, was die Geschwindigkeit der Nachfrageerholung selbst bei sich normalisierenden Preisen begrenzen könnte.
Kurzfristiger Ausblick & Handelsstrategie
Mit einer größeren türkischen Ernte in Reichweite und einem neuen Mindestpreis, der grob den Erwartungen der Händler vor der Ankündigung entspricht, scheint das kurzfristige Preisrisiko – sofern keine Wetter‑ oder Qualitätsschocks zur Ernte auftreten – eher seitwärts bis leicht abwärts gerichtet zu sein, wenn wir in das Hauptvermarktungsfenster eintreten. Die wichtigste mittel‑ bis längerfristige Unbekannte ist, wie schnell die durch hohe Preise verloren gegangene Nachfrage zurückkehrt und ob Käufer ihre Strategie der Ursprungsdiversifikation beibehalten.
Handelsausblick (nächste 4–8 Wochen)
- Industriekäufer: Die Deckung für Q4 2026–Q1 2027 schrittweise bei Preisrücksetzern nahe der aktuellen FOB‑Türkei‑Niveaus wieder aufbauen, aber eine zu weitreichende Vorwärtsdeckung vermeiden, bis Umfang und Qualität der Ernte 2026/27 bestätigt sind.
- Ursprungsinhaber in der Türkei: Angesichts des stützenden Mindestpreises in Lira, aber verhaltener Exportdynamik, eher aktive Verkäufe in Preisaufschwüngen als das Einlagern von Beständen in Erwägung ziehen, insbesondere bei Standard‑Naturqualitäten, bei denen konkurrierende Ursprünge Marktanteile gewinnen.
- Spot‑Händler: Fokus auf Arbitragemöglichkeiten zwischen türkischen und alternativen Ursprüngen; Aufschläge für in Europa angelandete, nicht‑türkische Kerne dürften fest bleiben, da Großabnehmer an Diversifizierungsstrategien beim Ursprung festhalten.
3‑Tage‑Richtungseinschätzung
- FOB Türkei (Naturkerne): Stabil bis leicht weicher in EUR, da der Markt den neuen Mindestpreis verarbeitet und auf konkretere Ernteinformationen wartet.
- FOB Türkei (Bio‑Kerne): Weitgehend stabil; Nischennachfrage und begrenztes Angebot sollten diese Qualitäten im Vergleich zu konventioneller Ware relativ fest halten.
- Europäisches FCA (nicht‑türkische Ursprünge): Stabil mit leichtem Aufwärtstrend, gestützt durch anhaltende Nachfrage nach Ursprungsdiversifikation und Logistikprämien.